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Geheimnisse: Roman „Helle Tage“ von Ulrich Woelk

Der Berliner Schriftsteller Ulrich Woelk bringt in seinem neuen Roman „Helle Tage“ vertraute Gewissheiten ins Wanken. Eine Rezension von Maria Bauer.
Text: tipBerlin Redaktion
Veröffentlicht am: 25.03.2026
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Schriftsteller Ulrich Woelk. Foto: Bettina Keller 

„Ohne Geheimnisse kommst du nicht durchs Leben“, konstatiert die Mutter der Protagonistin Ruth Lember im neuen Roman von Ulrich Woelk, „Hellere Tage“. Ruth ist Philosophin an der Humboldt-Universität Berlin, und ihr Geheimnis als ehemalige radikale Umweltaktivistin ist nach 30 Jahren über Social Media gelüftet worden. Die Mutter spielt hingegen auf die Homosexualität ihres eigenen Ehemannes an. Ruth erfährt davon erst durch Briefe des Liebhabers an ihren verstorbenen Vater, die sie bei der Auflösung seines Zimmers im Altenheim findet. Das Bild vom Vater kommt ins Wanken, und bei den Beziehungen der Figuren im Roman geht es immer wieder um die Frage, wer die oder der Andere wirklich ist.

Richtig aufregend wird das, als Ruth ihre Tochter Jenny im einst besetzten Haus in Friedrichshain nicht antrifft und stattdessen deren Nachbarn näher kennenlernt. Der schickt Ruth eine Postkarte „Lebe wild und gefährlich“ nach Hause in Moabit. Bei einem Ausflug ins Berliner Umland stellt sich ihn Ruth als jemanden vor, der weiß, was er will – Freiheit, Erfahrungen, Liebe. Aber was will sie selbst eigentlich, nachdem sie von ihrem Mann getrennt lebt, der sich zu einer deutlich jüngeren Frau hingezogen fühlt?

Die Figuren, die der in Berlin lebende Autor und Physiker Ulrich Woelk in „Hellere Tage“ entwirft, wirken cool und verunsichert zugleich, sie suchen Nähe und halten sie nicht aus. Die Bandbreite reicht von Ehe in allen Gendervarianten über zivilen Ungehorsam gegen Umweltzerstörung bis zu einem Brandanschlag auf einen Strommast in Grünheide gegen Tesla. Ein ebenso spannender wie aktueller Roman.

Ulrich Woelk: „Hellere Tage“ C.H. Beck, 320 S.,
26 € ●●●●○

 Foto: C.H. Beck

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