Unterschwellig verzweifelt: Debütroman „Ultramarin“ von Ann-Christin Kumm

Wer darf welche Geschichte erzählen? Kaum eine Debatte prägt die Literatur derzeit so sehr wie diese Frage. Sobald eigene Erfahrungen mitschreiben, werden die Geschichten authentischer, das zeigt Ann-Christin Kumm mit ihrem Debütroman „Ultramarin“: Was als sommerlicher Roadtrip beginnt, kippt ins Verstörende, je mehr sich die beklemmende Dynamik zwischen Lou und seinem Freund Raf entfaltet.
Kumm scheint von Anfang an zu wissen, wie sich diese entwickeln wird. Sie schreibe chronologisch, erzählt sie, und zeigt ihr Manuskript: dicht beschriebene Seiten, von Anfang bis Ende per Hand verfasst.
Ohne Notizbuch verlasse sie selten das Haus, sie schreibt im Café, in der Bahn und im Bus: „Der Lärm stört mich gar nicht“. Sie wirkt geerdet, wie eine, die selten jammert. Womöglich, da sie nicht nur Autorin, sondern auch Gärtnerin ist – und in Geduldsfragen geübt sein dürfte. Der Landwirtschaft wegen zog die gebürtige Hamburgeri…