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„M8 in China“ im DAZ

M8 in ChinaGeschwungene Dächer, verwinkelte, symmetrisch angelegte Gebäude in kräftigen Farben, Baumaterial Holz, Lehmwände, Betonung der Horizontale. So sah es in der Vergangenheit aus. Der Bauboom in China hat dagegen nach westlichem Vorbild Glas- und Stahlbauten in luftigs­te Höhen schießen lassen. Über 10.000 staatliche Designinstitute sorgten für rasant in den Boden gesetzte Arbeiterkasernen oder Prestigebauten in westli­cher Ästhetik. Nicht wenige Objekte wurden von renommierten westlichen Architekturkünstlern entworfen, die hier eine ein­malige Spielwiese vorfanden. Seit 1994 erlaubt nun die chinesische Regierung die Gründung privater Architekturbüros.

Seither haben sich mehrere kleine Unternehmen um einen angemessenen architektonischen Ausdruck für das heutige China bemüht. Acht von ihnen wurden für eine Wanderausstellung vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt ausgewählt. Unangepasste, experimentelle Ar­chi­tek­tur, die nur einen Bruchteil des Bauwesens in China ausmacht. Baumaterialien wurden hier nicht nur nach ökonomischen, sondern nach kulturellen und ökologischen Gesichtspunkten ausgewählt, und beim Bau sollten lokale Handwerker eingesetzt werden, die allerdings oft nicht die erforderliche Ausbildung besitzen. Mit solchen nahezu idealistischen Ansätzen müssen diese kleinen privaten Architekturbüros in Konkurrenz zu den Großbüros nach finanzkräftigen Bauherren suchen, die sich auf solche Projekte einlassen.

Unter diesem Aspekt sind die über 20 vorgestellten Objekte zweifellos spannend. Für unvor­bereitete Besucher bleiben angesichts der Schautafeln mit meist im Fachjargon verfassten Texten viele Fragen offen. Wenn ein Hotel in „komfortabler Entfernung zum nächsten Dorf“, aber „keineswegs abgelegen“ liegt, ein namhaftes Weingut jedoch zu Fuß zu erreichen ist, fragt man sich sofort, in welches soziale Wespennest dieses Luxusobjekt gesetzt wurde.
Manch neues Objekt wird aus Backsteinen und Dachziegeln von Abbruchstellen errichtet, die aufgrund häu­figer umfassender Zerstörungen und Um­bauten reichlich zur Hand sind. Dieser Hinweis deutet die Brisanz des Themas an. Die Ausstellung selbst gibt kaum Auskunft, deshalb gehören wohl der Katalog und vor allem das Symposium unweigerlich zum Ganzen.

Text: Constanze Suhr

Foto: Songzhuang Künstlerresidenz, Peking. Savoye/Uhou Ruogu

tip-Bewertung: Zwiespältig

M8 in China, Zeitgenössische chinesische Architekten, DAZ, Köpenicker Straße 48/49, Mitte; Di-Fr 12-19 Uhr, Sa+So 14-19 Uhr; bis 21.2.10 (24.12.-1.1.10 geschlossen); Fr 5.2.10: Symposium mit sechs Vertretern chinesischer Architekturbüros zur Entwicklung von Kunst, Architektur und Stadtentwicklung angesichts des rasanten Wandels der chinesischen Gesellschaft

www.daz.de

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