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M99 – Gemischtwarenladen für Revolutionsbedarf

M99 - Gemischtwarenladen für Revolutionsbedarf

Auf dem Boden: Bücherstapel. Auf Ablagen: Postkarten, CDs, Antifa-Sticker. In den Ecken: Mützen und Krimskrams. Weitere Bücherregale ragen zur Decke auf, die durch eine Wagenladung herabhängender Rücksäcke ersetzt wird. Hans-Georg Lindenau, 55 und querschnittsgelähmt, sitzt in seinem Rollstuhl versteckt zwischen seinen „Revolutionsartikeln“, wie er sie nennt, im winzigen Laden in der Manteuffelstraße 99. „Mach ma aus der Schildkröte ’n Känguru!“, fordert er eine Kundin auf. Sie guckt irritiert. „Du sollst den Rucksack nach vorne nehmen!!!“ 1985 eröffnete der gebürtige Mittelfranke den Infoladen für Missstände. Motto: „Solidarität zum Pragmatismus“. Der selbst ernannte „Sitzbeiner“ bezieht seine Waren aus Spenden von Unterstützern. Vom Hausbesitzer kommt alle paar Wochen eine neue Kündigung. Egal. Nachmittags wird der Laden zum sozialen Treffpunkt. Vor der Tür: die Freebox. Der alte Anhänger dient als Tauschbörse. Wird mal fünf Meter vor oder zurückgeschoben. Lindenaus List gegen das Ordnungsamt

Text + Foto: Johanna Hector

M99 – Gemischtwarenladen für Revolutionsbedarf Manteuffelstr. 99, Kreuzberg

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