Kultur

Maccabi Games in Berlin

Maccabi Games in Berlin

Farbenfroh soll das Berliner Olympiastadion erstrahlen, schwarz-rot-gold, aber auch blau-weiß, eingehüllt in die Nationalflaggen Israels. Allüberall, so stellen es sich die Initiatoren der Crowdfunding-Kampagne „Wir branden den Olympiapark“ vor, soll der sechszackige Davidsstern sichtbar sein, eingebettet in eine Korona aus allen Farbnuancen des Regenbogens. Finanzierungsziel: 10.000 Euro. Die Spendensammelaktion ist Bestandteil der Maccabi Games 2015, eine Art jüdische Sportolympiade. In diesem Jahr wird sie zum allerersten Mal in Deutschland ausgerichtet, vom 27. Juli bis zum 5. August. Der Großteil der Events findet im Olympiastadion statt.
Die Wahl der Location ist von großer Symbolik. In den 1930er-Jahren wurden jüdische Sportlerinnen und Sportler von sonstigen Sportevents größtenteils ausgeschlossen. Bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin durfte für Hitler-Deutschland kein einziger jüdischer Athlet antreten, das Olympiastadion wurde zur Bühne nationalsozialistischer Selbstdarstellung. Als Gegenmodell erfanden Zionisten damals die Makkabiade.
Seither finden die jüdischen Sportwettbewerbe alle vier Jahre in Israel als Weltmeisterschaft statt und dazwischen, ebenfalls im Vier-Jahres-Turnus, als Europameisterschaft in wechselnden Städten.  Nun also Berlin. Größere Sportevents sind bekanntlich im Olympiastadion alles andere als selten. Die Makkabiade dürfte trotzdem etwas Besonderes sein.  „Wir erwarten über 2.000 jüdische Athleten, dazu 300 Volonteers und Tausende von Zuschauern“, sagt Oren Osterer vom Organisationskomitee der Spiele. Es sei sehr außergewöhnlich, dass sich derart viele Menschen jüdischen Glaubens aus aller Welt zu einem solchen Großereignis versammelten.
Die 19 Sportarten, in denen Athleten sich messen, sind nicht außergewöhnlicher als bei anderen Sportspektakeln auch. Es gibt Fußballturniere, Badminton, Volleyball, Tischtennis oder Schwimmen, unterteilt in Männer- und Frauenwettkämpfe und in verschiedene Altersklassen. Das größte Turnier mit 40 Spielen findet im Hallenfußball statt, beim Fechten tritt eine waschechte Weltmeisterin an, und als Geheimtipp wird das Schachturnier gehandelt.
„Die Makkabiade ist zwar eine Breitensport-Veranstaltung und damit kein Ersatz für die Olympischen Spiele oder so“, sagt der Sportreporter Marcel Reif, Botschafter von Maccabi 2015. „Aber in allen Disziplinen sind sehr ehrgeizige Sportler dabei, und ich bin überzeugt, dass wir sehr ordentlichen Sport zu sehen bekommen werden.“
Was die Maccabi Games aber besonders macht, ist das Drumherum. „Ich glaube, verglichen mit anderen Sportveranstaltungen, herrscht bei Maccabi eine freundschaftlichere, freundliche Atmosphäre„, sagt Toby Axelrod. Die jüdische Journalistin arbeitet auch am Zentrum für Jüdische Studien in Berlin. Sie glaubt, dass man Fans, die gegnerische Mannschaften ausbuhen, bei Maccabi ebensowenig finden wird wie feindselige Hooligans. „Es ist eine jüdische Sportveranstaltung, das gibt dem Event einen familiären und freundlichen Charakter“, sagt Axelrod.
Eine jüdische Veranstaltung, das bedeutet auch: Am Sabbat wird kein Sport getrieben, stattdessen wird gemeinsam gebetet, gesungen und gegessen. Das Essen ist natürlich koscher. Und die jüdischen Besuchergruppen haben im Rahmenprogramm zahlreiche Möglichkeiten, sich mit ?der düsteren Vergangenheit der Stadt auseinanderzusetzen – beispielsweise bei einem Bildungstag für Schülerinnen und Schüler im KZ Sachsenhausen.
Die große Herausforderung für die Makkabiade ist, auf dem schmalen Grat zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu balancieren. „Die Maccabi Games zeigen ja auch, dass im heutigen Berlin wieder reges jüdisches Leben existiert“, sagt Axelrod, „und zwar in friedlichem Miteinander mit anderen Bevölkerungsgruppen der Stadt.“ Deshalb laden die Organisatoren explizit auch andere Gruppierungen ein, die Makkabiade zu besuchen. „Die Zuschauertribüne ist ohnehin offen für alle, und der Eintritt ist kostenlos“, sagt Oren Osterer vom Organisationskomitee. Neben den jüdischen Sportveranstaltungen gibt es auch „Let’s play together“, wobei jüdische Teams von Mannschaften aus der Region herausgefordert werden – etwa von den DFB-All-Stars oder von Alba Berlin.
Aber natürlich spielen bei einem derartigen Großereignis auch Sicherheitsfragen eine Rolle. Polizeisprecher Thomas Neuendorf sagt: „Makkabi ist zwar ein jüdisches Sportevent, deswegen ist das Sicherheitsrisiko aber nicht höher als bei vergleichbaren Events dieser Größenordnung.“ Toby Axelrod verweist jedoch auf Antisemitismus, den es natürlich in Berlin gäbe. „Die üblichen Opfer sind Menschen, die entweder orthodox aussehen oder Hebräisch sprechen“, sagt sie. „Aber ich glaube nicht, dass die Makkabi-Besucher ständig besonders vorsichtig sein müssen. Einfach so aufpassen, wie man es sonst auch tut.“
Wer am Ende gewinnt, ist bei diesen Freundschaftsspielen nicht so wichtig. Wichtiger ist, dass sie alle miteinander auf dem Platz stehen – Juden und Nicht-Juden, Israelis, Deutsche, Sportler aus allen möglichen Ländern. Und drumherum ein Flaggenmeer aus Schwarz-Rot-Gold, aus Blau-Weiß und dem Davidstern, welches das Grau des Olympiastadion überdeckt.

Text: Michael Metzger

Foto: Rafael Herlich / Maccabi Deutschland GmbH

Eröffnungszeremonie
Auf Motorrädern brettern jüdische Fackelträger aus ganz Europa am Abend des 28. Juli durch die Waldbühne. Das Ritual erinnert an die Eröffnung der ersten Makkabiade und leitet die Maccabi Games 2015 ein. Bundespräsident Joachim Gauck hält eine Rede. Zahlreiche Künstler treten auf, darunter Dana International. Tickets kosten zwischen 16,50 und 49,50 Euro – außer für ehrenamtliche Helfer, ?die auch noch gesucht werden. Für sie ist der Eintritt frei.

Waldbühne, Am Glockenturm 1, Charlottenburg, So 28.7., 20 Uhr, Tickets: 16,50–49,50 Euro, www.emg2015.de

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