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„Macht“ von Karen Duve

Das wäre es dann wohl. Deutschland, 2031. Das Klima im Eimer. Ein Supersturm, der Hamburg zerlegt. Noch wenige Jahre bis zum Ende. Und Sebastian Bürger hat es geahnt. Früher Ökoaktivist und Walretter. Wie fast alle wirft er die Verjüngungspille Ephebo ein, die Greise ins beste Alter zurückbringt. Karen Duves „Macht“ ist der Roman zu ihrem 2014er Essayband „Warum die Sache schiefgeht“. Sie konstruiert für Sebastian große Szenen. Etwa mit dem brutalen Vollpfosten Ingo Dresen, der gegen den Staatsfeminismus im Land pöbelt, ein Mix aus Lutz Bachmann und Anders Breivik. Man würde diesen Sebastian mögen – wenn er nicht im Keller Gattin Christine anketten, sexuell ausnutzen, brutal verprügeln würde. Dann verliebt er sich in Elli. Draußen Freigeist, drinnen Fritzl. Den Gegensatz vermag Duve nie glaubhaft aufzulösen. Es ist brillant boshaft, wie sie ihr gesellschaftliches Zerfallszenario durchdekliniert. Aber ausgerechnet an der wichtigsten Stelle nimmt man ihr den Plot einfach nicht ab.

Text: Erik Heier

Macht von Karen Duve, Galiani, 416 S., 21,99 Euro

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