Kultur

Make-Up to go

Make-Up to go

Ein blasses, pickeliges Mädchen steigt in die U2 und setzt sich. Hektisch kramt sie in ihrer XL-Bag und fischt kurz darauf einen kleinen Spiegel und ein Fläsch­chen mit Flüssig-Make-up heraus. Der Spiegel kommt auf die Knie, die braune Pampe wird großzügig im Gesicht verteilt. Anschließend zückt Vampirella einen schwarzen Kajal und umrandet ihre Augen. Mit bemerkens­wert ruhigen Händen trotzt sie dabei sämtlichen Wacklern. Öffentliche Schmink-Sessions wie die von Vampirella (inzwischen zur zugekleisterten Tussi transformiert) sieht man immer häufiger. Dieses Vom-Bett-direkt-in-die-Bahn-Modell scheint vor allem für jene Sorte Mensch attraktiv, die Effizienz­steigerung und Multi­tasking nicht nur im Beruf, sondern auch privat frönt. Ihr reicht es nicht, nur das Frühstück mit dem Arbeitsweg ?zu koppeln; viel effizienter ist es doch, den kompletten Aufsteh­prozess dort stattfinden zu lassen. Von Make-up to go ist es dann nur noch ein kleiner Schritt zum Sleep to go. Mit einer mobilen Schlafstätte gehören Zeitverschwendungen endgültig der Vergangenheit an.

Text: Henrike Möller

Foto: Fotolia/ Inna Felker

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