Flüchtlinge in Berlin

Man spricht deutsch

Die zweite „Jobbörse für Geflüchtete und Migranten“ offenbarte, wie viel sich seit der großen Flüchtlingswelle getan hat

Haben die etwa ein Brett vorm Kopf? Nein, ganz bestimmt nicht: Denn bei der zweiten „Jobbörse für Geflüchtete und Migranten“ am heutigen 25. Januar im Estrel Berlin zeigte sich deutlich, wie viel sich – trotz aller Unkenrufe – seit der Auftaktveranstaltung vor einem Jahr getan hat. So konnten sich nicht nur die meisten der Jobsuchenden, darunter Syrer, Somalier oder Iraker, im Unterschied zum vergangenen Jahr in der Regel fließend auf deutsch verständigen. Umgekehrt hatten sich die Aussteller auch mit der Beschäftigung etwa von arabisch sprechende Muttersprachler an ihren Ständen gut für eine funktionierende Kommunikation vorbereitet. Damit die Orientierungsgespräche nicht im Chaos eines übergroßen Andrangs untergingen, war der – kostenlose – Zugang zur Jobbörse indessen limitiert: Interessenten mussten sich vorher online anmelden, mit 4.200 Besuchern und 189 Ausstellern war die Messe ausgebucht.

Die meisten der Besucher schienen sich im Vorfeld über die ausstellenden Branchen präzise informiert zu haben. So suchte ein 18-jähriger Somalier gezielt Stände aus dem Hotelgewerbe auf, wo er sich aufgrund seiner Sprachkenntnisse – er spricht somali, arabisch, englisch und nun auch deutsch – gute Chancen ausrechnet. Doch auch viele Migranten ohne Fluchthintergrund hielten nach passenden Jobs Ausschau. Dorine Nderitu etwa, eine junge Kenianerin, die seit kurzem an der Berliner HTW Mode-Design studiert, sucht im Hotelgewerbe einen Job am Abend oder Wochenende, um ihr Studium zu finanzieren. Und ein nigerianischer Englisch-Deutsch-Dolmetscher wollte ausloten, welche Berufschancen ihm neben der Sprachvermittlung sonst noch offen stehen. Die Jobbörse für Geflüchtete und Migranten war auch dafür eine gute Plattform, da die Aussteller grundsätzlich bereit sind, sich mit ausländischer Berufsabschlüsse oder mit der Ergänzung von noch nicht ausreichenden Deutschkenntnissen zu befassen.

Die Herren auf dem Foto übrigens befanden sich auf einem ungewöhnlichen Trip: Ein Pharmakonzern warb für sein Unternehmen, indem er Besucher zu einer virtuellen, 360-Grad-Reise durch den menschlichen Körper einlud.

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