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Liebe geht durch die Nase: Mario Lombardo

Mario Lombardo ist Grafikdesigner. Das Metier legt er auf Eis und konzentriert sich nun mit Atelier Oblique auf seine Parfüms und Duftkerzen, in einem zweiten Anlauf und mit neuem Laden

Foto: Claudia Klein

Eigentlich arbeitet die Firma Robertet, gegründet 1850 in Grasse und heute Weltmarktführer bei der Herstellung natürlicher Duftstoffe, nicht mit jemandem wie Mario Lombardo zusammen. Also einem, der als Zwei-Leute-Label, mit seiner Partnerin Vanessa Obrecht, eine Linie von Duftkerzen beginnen will. Der zwar in seinem Beruf als Grafiker international erfolgreich ist, aber noch nie in der Welt der Düfte gearbeitet hat.

Doch es hat bemerkenswert smooth geklappt. Denn dies ist keine typische Story von einem, der gegen alle Widerstände ankämpft. Sondern es ist eine typische Mario-Lombardo-Geschichte, dem sich – wie durch Zauberhand – die Türen öffnen. Als er dem befreundeten Fotografen Alexander Straulino bei einem gemeinsamen Spaziergang von seiner Duftkerzenidee erzählte, fragte der seine Kreuzberger Freunde von Beauty Punch, die Beautyprodukte managen, und die Mario Lombardo dann halfen, sich bei Robertet zu bewerben.

Lombardos erste Zauberhand ist sein riesiges Netzwerk. Es ist deshalb so groß, weil er selber freundlich, hilfsbereit und aufmerksam ist. Seine zweite Zauberhand. Und die dritte: Was er macht, ist interessant. Er geht nicht einen bereits bekannten Weg, sondern eröffnet einen neuen. Und wie hätten sie bei Robertet einem Neuling widerstehen können, der gleich 27 Duftkerzen machen wollte – eine für jeden Buchstaben des deutschen Alphabets und das &-Zeichen. Und zwar mit einer eigens von ihm gestalteten, ebenso eleganten wie selbstbewussten Schrift. Und der seine Vorstellungen zu jedem einzelnen schon niedergeschrieben hatte, nicht als Business-Plan, sondern in Gedichten.

Lombado fuhr nach Grasse, bekam einen eigenen Fachmann bei Robertet, Christian. Und zwei Jahre später waren die Kerzen dann da. Handgegossen. In handbemalten, handgemachten Gläsern. Jetzt stehen die Duftkerzen im neuen Laden von Atelier Oblique in der Almstadtstraße, jede unter ihrer eigenen Glasglocke. Kerzen sind oben offen. Es wäre nicht auszuhalten, wenn all die Düfte gegeneinander antreten oder miteinander verschmelzen würden. Die floralen, die holzigen, die orientalischen, die harzigen. Also bekommt jede ihren eigenen kleinen Raum. „Das & riecht nach Kernseife“, sagt Marion Lombardo, „das W nach Sonnenschein. „Und das I steht für I love you. Das Thema ist der erste Kuss, der nach Erdbeerbowle und Lipgloss geschmeckt hat.“

Foto: David Bornscheuer

Dazu gibt es mittlerweile fünf Parfums. Auch hier hat jedes von ihnen eine eigene Geschichte. „Marble See“, inspiriert durch die Meeresbilder Caspar David Friedrichs, riecht mit Salzen und Aldehyd, mit Iris und Jasmin nach der Frische und der Kraft einer Meeresbrandung. „Amber“ führt mit Tabak und Zedernholz zurück in die in die ausschweifenden Partynächte der 1920er-Jahre.

„Ich habe mich schon immer als Übersetzer gesehen“, sagt Mario Lombardo. „Es kommt jemand mit einem Wunsch, einer Aufgabe zu mir. Ich muss mich einfühlen und das Resultat muss widerspiegelt, was der Mensch meint.“ Das sei denkbar schwer, „weil wir alle in unserer eigenen Realität leben.“ Lombardo übersetzt also nicht nur Gedichte und Geschichten in Grafiken und Düfte. Er schlägt mit seinen Übersetzungen eine assoziative Brücke zwischen den Welten, in der jeder einzelne von uns lebt.

Seinen ersten Atelier-Oblique-Laden in der Münzstraße hatte Marion Lombardo nach Pariser Maßstäben gestaltet. Der neue in der Almstadtstraße ist mehr Berlin. Die Decke schimmert rotgold – wie die Glasscheiben im Palast der Repu-blik. Der weiße lackierte Betonboden wird bald ein bisschen abgenutzt aussehen, aber das soll so sein. Berlin eben. Sein Grafikbüro zieht auch in die Almstadtstraße, aber es nimmt fürs kommende Jahr keine Aufträge an. Lombardo nimmt eine Auszeit. „Ich haben keinen Plan fürs nächste Jahr“, sagt er. Aber er werde sich auf drei Sachen konzentrieren: Atelier Oblique, seine Kinder, und dass er viel von der Welt sehen möchte. Patagonien, Alaska, Asien. „Ich will in diese kalten Ecken, denn ich will mich sehr klein fühlen. Aber ich suche nicht die Einsamkeit, sondern die Konzentration, die man hier in der Stadt leicht verliert.“ Seine Kinder kommen mit, zumindest zeitweise. Sie sollen auf den Reisen auch sehen, fühlen, riechen, in Worte und Bilder fassen, was wichtig ist.

Atelier Oblique Almstadtstr. 5, Mitte, ab 13.12., atelier-oblique.com

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