• Kultur
  • Marlit Friedland über ihr Gruselkabinett in Kreuzberg

Kultur

Marlit Friedland über ihr Gruselkabinett in Kreuzberg

Gruselkabinet-c_oliver_wolfftip: Frau Friedland, Sie haben viel Arbeit investiert, um einen alten Luftschutzbunker in ein Gruselkabinett zu verwandeln. Warum suchen Sie jetzt einen Nachfolger?

Marlit Friedland: Ich bin mittlerweile im Rentenalter und möchte mal wieder ein bisschen Zeit für mich haben. Ich hatte ja kaum Urlaub in all den Jahren und möchte endlich mal meinen Sohn und meine Enkelin in Kalifornien besuchen.

tip: Und wie ist bisher die Resonanz?

Friedland: Es ist nicht einfach, jemanden zu finden. Momentan habe ich zwei Interessenten. Dazu muss man sagen: Ich habe damals praktisch nur die leere Betonhülle übernommen und mit einem Landeskredit über eine Million Mark die kompletten baulichen Maßnahmen durchgeführt. Dazu kamen noch die Kosten für die Ausstattung des Gruselkabinetts. Deswegen verlange ich auch einen entsprechenden Preis für die Übernahme.

tip: Muss Ihr Nachfolger bestimmte Voraussetzungen erfüllen?

Friedland: Auf jeden Fall muss er bereit sein, viel zu arbeiten. Eigentlich ist das eine Aufgabe für zwei Leute. Und er sollte kreativ sein. Hier steckt noch viel Potenzial drin, man kann die Räumlichkeiten ausbauen, mehr Werbung schalten … das habe ich ja wegen meines Alters alles vernachlässigt.

tip: Momentan beschäftigen Sie den einzigen Vollzeiterschrecker Deutschlands. Muss der auch mit übernommen werden?

Friedland: Das ist keine Voraussetzung. Aber man sollte bedenken, dass der Job des Erschreckers nicht zu unterschätzen ist. Neben unserer Vollzeitkraft und drei Teilzeitkräften arbeiten hier auch rund zehn Studenten als Erschrecker, und die müssen entsprechend eingearbeitet werden.

tip: Gruseln Sie sich hier nach all den Jahren eigentlich auch noch?

Friedland: Natürlich! Glauben Sie, ich würde hier alleine reingehen? Wenn ich morgens als Erste da bin, warte ich, bis jemand mit mir reingeht und das Licht anmacht. Das hier ist einfach ein unheimliches Gebäude. Aber damals, bei meinem ersten Besuch, hat es mich nach drei Minuten
beschlagnahmt.

Interview: Isabel Ehrlich

Foto: Oliver Wolff

Berliner Gruselkabinett Im Luftschutzbunker beim Anhalter Bahnhof, Schöneberger Straße 23a, Kreuzberg, Mo 10–15, So, Di, Do, Fr 10–19, Sa 12–20 Uhr

 

WEITERE KURZINTERVIEWS

Interview mit Ana Lichtwer über das Buch „Kreuzberg kocht“

Interview mit Marcus Steinweg über eine neue Philosophie-Reihe

 

Mehr über Cookies erfahren