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Martin-Gropius-Bau & Akademie der Künste stellen aus: „Taswir – Islamische Bildwelten und Moderne“ & „Istanbul Next Wave“

Bankta / Auf der Bank, 2006/2009
Künstlergruppen wie Hafriyat Karaköy oder Atil Kunst
suchen sich ihren Freiraum in einer immer noch sensiblen
Öffentlichkeit, die durch dogmatische Religionsangehörige oder
Verfechter des Nationalstaates noch immer Restriktionen unterworfen
ist. Solche Arbeiten erringen meist mehr Anerkennung in der
internationalen Kunstwelt als zu Hause.
Die Kuratoren Levent Зalikolu, Зetin Güzelhan, Beral Madra und Johannes Odenthal haben mit „Istanbul Next Wave“
einen dreiteiligen Ausstellungskomplex entworfen, der einen
geschichtlichen Abriss der Kunst in der Türkei seit Beginn des 20.
Jahrhunderts und ausgewählte gegenwärtige Positionen türkischer
Provenienz zeigt. Dabei ist bemerkenswert, welch wichtige Rolle die
Künstlerinnen einnehmen, denen ein ganzer Themenkomplex gewidmet wird. „Boden unter meinen Füßen, nicht den Himmel“,
riefen im Mai 1987 feministische Demonstrantinnen in Is­tanbul. In
Anlehnung an das Sprich­wort, in dem die „mit beiden Beinen im Himmel
stehenden“ Mütter heilig gesprochen und von den „weltlichen“ oder gar
„verruchten“ Frauen abgegrenzt werden, for­mier­te sich der Beginn
einer feministischen Bewegung, die sich gegen diese Rollenzuweisung
auflehnte. Eine Selbstverständlichkeit sei dieser „Boden unter den
Füßen“ nach über 20 Jahren noch immer nicht, schreibt Kuratorin  Beral
Madra im Katalog, auch wenn die Beziehungen zur EU vor dem Hintergrund
des angestrebten Beitritts Kunst und Kultur in Istanbul für immer
verändert hätten. Arbeiten von 17 Künstlerinnen verschiedener Generationen
hat sie für die Ausstellung in der Akademie der Künste ausgesucht. Was
diese Künstlerinnen gemeinsam haben, sind Umtriebigkeit und ausgeprägte
Individualität, Provokation und gesellschafts­politisches Engagement.
Ihre Themen sind unter anderem Geschlechterrollenzuweisungen und
patriarchalische Familienstrukturen, Religion, Konsum, Medien­bilder,
Kulturimperialismus, Gentrifizierung und Zensur. Dabei schöpfen die
Künstlerinnen auch nicht selten aus dem eigenen privaten Umfeld. Nazan Azeri
filmte das Hochzeitskleid ihrer verstorbenen Mutter, wie es zwischen
den Ästen eines Baumes flattert. Sie spiegelt damit nicht nur ihre
persönliche Trauer, sondern lässt dieses starke Symbol der Unschuld, an
dem der Wind zerrt, auch für sich sprechen. „Istanbul Next Wave“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Istanbul und der Akademie der Künste und bildet den Höhepunkt der Berliner Veranstaltungen zum 20. Jubiläumsjahr der Städtepartnerschaft Berlin–Istanbul.

Text: Constanze Suhr / Fotos: Bild von Raqib Shaw, Nazan Azeri

Taswir. Islamische Bildwelten und Moderne
im Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, Kreuzberg;
Mi-Mo 10-20 Uhr;
Eröffnung: Mi 4.11., 19 Uhr, 5.11.-18.1.2010  

Istanbul Next Wave
„Istanbul Modern“, Martin-Gropius-Bau,
Eröffnung: Mi 11.11., 17 Uhr,
„Boden unter meinen Füßen …“,
Akademie der Künste, Pariser Platz, Mitte;  
„Sechs Positionen kritischer Kunst aus Istanbul“, Akademie der Künste,
Hanseatenweg, Tiergarten,
Eröffnung: Mi 11.11., 19 Uhr; 12.11.-17.1.2010

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