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Welttheater

Max Beckmann im Museum Barberini

Die große Schau: Das Barberini zeigt Max Beckmann als bürgerlichen ­Narren und Meister der distanzierten Direktheit

Max Beckmann: Familienbild, 1920, The Museum of Modern Art, New York, Schenkung Abby Adrich Rockefeller, 1935, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Photo: Scala, Florence/The Museum of Modern Art

Bürgerlich und doch im Narrenkostüm, in seiner Zeit verortet und doch aus ihr flüchtend in die Welt der Varietés und an den Rand der Gesellschaft: Die Ausstellung „Welttheater“ zeigt den zerrissenen, mit der Welt hadernden Max Beckmann mit vielen Hauptwerken aus den 1930er- und 1940er-Jahren. Die spätimpressionistische Phase und die Zeit der Neuen Sachlichkeit lagen da bereits hinter dem immer noch traumatisierten Weltkriegsheimkehrer, und was hier im Museum Barberini in Kooperation mit der Kunsthalle Bremen gezeigt wird, ist Beckmann at its best, also Expressionismus in seiner direktesten und zugleich distanziertesten Form – wobei die stilistische Einordnung bei Beckmann ja nie ganz einfach ist, und auch im Barberini weitere Deutungen zulässt.

Bilder wie die „Artistin“, der „Apachentanz“ oder die beiden Triptycha „Argonauten“ und „Schauspieler“ erinnern in ihren starken schwarz-weißen Brechungen durchaus an die Neue Sachlichkeit, zeigen aber mit prismatischen Bildkompositionen und Farbbrillanz auch, warum der spätere Exilant vor allem als Expressionist weltberühmt wurde. „Interessanterweise firmierte Beckmann zuerst nur in den USA, in seinem späteren Exil, als Expressionist“, sagt Direktorin Ortrud Westheider. Ihr ist es gelungen, aus dem angloamerikanischen Raum Arbeiten wie die beiden Triptycha, die ebenso wie die Selbstbildnisse Beckmanns als Künstler oder Artist zu den Highlights der Ausstellung zählen, für die „Welttheater“-Schau loszueisen.

Geholfen haben dürften dabei die guten Kontakte der Direktorin, die des Hausmäzens Plattner, aber ganz sicher auch die enge Zusammenarbeit mit Mayen Beckmann, der Enkelin und Nachlassverwalterin des Künstlers. Sie hatte ihrerseits bereits vor 30 Jahren eine erste druckgrafische Ausstellung zum Thema Beckmann und Bühnen kuratiert und organisiert: „Das hat sich angeboten, weil sich das Thema aus der Grafik heraus definiert hat und erst dann in seine Malerei überging.“ Auf jeden Fall sei die Bühne für Beckmann ein „Lebensthema“ gewesen, also dieses Zur-Schau-Stellen und gleichzeitige Beobachten, da sind sich die beiden Frauen einig.
Es ist aber auch ein Thema, das viel über einen Künstler erzählt, der mit der Welt und ihrer Entwicklung so sehr hadert, dass er sich von ihr ab – und nur hinter Masken wieder zuwenden kann. Ortrud Westheider findet, dass sich das hervorragend mit unseren aktuell schwierigen Zeiten in Verbindung bringen lässt.

Wem das einen Zacken zu viel der kunsthistorischen Transferleistung ist, der wird sich in dieser Schau aber trotzdem sehr viel besser aufgehoben und unterhalten fühlen als es Beckmann offensichtlich gerade in seinen letzten Lebensjahren tat.

Museum Barberini Alter Markt, Humboldtstr. 5-6, Potsdam, Mo+Mi–So 10–19 Uhr, jeden 1. Do im Montag bis 21 Uhr, bis 10.6.

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