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Mein Kreuzberg: Kotti & Co

Kotti_Und_Co_DvBKreuzberg hat lauschigere Ecken als die Gegend rund um das Kottbusser Tor. Denn während man viele Teile Kreuzbergs mittlerweile mit Mitte oder Charlottenburg verwechseln kann, funktioniert eine derartige Verwechslung am verkehrsumtosten „Kotti“ nun wirklich nicht. Hier wohnen seit Jahrzehnten Studenten, Arbeiter, Familien mit Migrationshintergrund, Künstler und Punks. Und damit das so bleibt, hat sich die Initiative „Kotti & Co“ gegründet. Sie kämpft dafür, dass die Mieten hier bezahlbar bleiben, was laut der Initiative bei vier Euro kalt gerade noch der Fall wäre. Seit Anfang des Jahres gibt es neben „Lärmdemos“ auch ein Dauercamp auf der südlichen Seite des Platzes. Dort stehen immer Mitstreiter, die Infos verteilen, Tee kochen oder einfach durch Präsenz darauf aufmerksam machen, dass die Verdrängung Alteingesessener auch vor dem Kotti nicht haltmacht.
Neben Atiye Eksi, einer der Sprecherinnen von Kotti & Co, stehen dort täglich Makbule Arslan und Ulrike Hamann, alles Frauen, die teilweise seit Jahrzehnten hier leben.

Auf die Frage, warum sie sich für diese Hochhauszeilen einsetzen, gibt es eine einfache Antwort: „Das ist meine Heimat. Ich wohne hier, seitdem ich sechs Jahre alt bin“, sagt Makbule Arslan, und Atiye Eksi ergänzt: „Ich habe immer nur in Kreuzberg gelebt, ich kann mir nicht vorstellen, hier wegzugehen.“ Dass sie das aber vielleicht muss, jedenfalls wenn die Mieten und Betriebskosten der privatisierten GSW- und Hermes-Wohnungen weiter steigen, macht sie traurig und wütend zugleich. Diese Gefühle teilt sie mit Ulrike Hamann, die neben den knapper werdenden Subventionen für den ehemaligen sozialen Wohnungsbau und der Privatisierung landeseigener Wohnungsbaugesellschaften noch eine weitere Erklärung für die Mietermisere hat: „Ich glaube einfach, dass diese Wirklichkeit hier am Kotti nicht die ist, in der Politiker leben.“ Und es ist ja tatsächlich eine raue Wirklichkeit, in der die Kotti-Camper aushalten – aber es ist ihre Heimat – oder wie Ulrike Hamann sagt: „Also, das ist mein Zuhause geworden. Und ich will hierbleiben.“

Text: Iris Braun

Foto: David von Becker

Ulrike Hamann, Makbule Arslan, Atiye Eksi
Ulrike Hamann, Doktorandin, lebt seit 2002 in Kreuzberg, Makbule Arslan, sie macht eine Weiterbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin, seit 1980 und Atiye Eksi, Bürofachfrau, seit 1968. Sie sind als Teil der Initiative „Kotti & Co“ nicht allein – neben 200 ständigen Mitstreitern rund um das Camp kommen zu ihren „Lärmdemos“ immer mehrere hundert Menschen. Die meisten davon teilen die Wut der Kotti-Aktivisten über die ständig steigenden Mieten in den Innenstadtgebieten und wehren sich gegen eine Abschiebung an den Stadtrand.

Infos unter: www.kottiundco.net, www.facebook.com/?sk=welcome#!/kotti.undco, kottiundco.wordpress.com, [email protected]

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