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Mein Kreuzberg: Südblock

Suedblock_DvB_01„Bloß keine neue Szene-Gastronomie, die auf Laufkundschaft und Touris setzt“, stand für Richard Stein, einen der Betreiber des Südblock fest. Stattdessen müsse man in dem Flachbau am südlichen Kottbusser Tor einen Ort schaffen, „der in besonderem Maße vernetzt ist mit den Menschen hier.“ Man trennte sich von Terracotta-Imitat und abgehängten Decken und lud Freunde und Nachbarn aus dem Wohnblock zu Baustellenpartys ein. Wenn hinter den Panoramafenstern die Party beginnt, wird der Biergarten im Außenbereich mit Flatterband abgesperrt, „schließlich wollen unsere Nachbarn schlafen, da sind wir rigoros“, bekräftigt Mitstreiterin Tülin Duman. Ihr Motto „Es ist ein Ort für alle“ ist das Erfolgsrezept des Südblock. Es ist Cafй, Showbühne, Begegnungsort und manchmal Sozialstation. Diese Gesten werden von den Anwohnern geschätzt, und der Südblock wird auch als Anlaufstelle für Probleme und Nöte wahrgenommen. Im Moment sind es ganz klar Existenzfragen und die Angst vor Wohnraumverlust. Andreas Wallbaum vom Hartzer Roller e.V. bietet wöchentlich Sozialberatung im Südblock. Stein und Duman überlegen, das Angebot auf Miet- und Aufenthaltsrecht auszudehnen.

Highlight des Monats ist für Richard Stein die monatliche Wahl der Kotti Queen. Drei Kiezgrößen stellen ihre ortsspezifischen Fachkenntnisse unter Beweis und treten mit eigenem Text- oder Liedgut an. Selbstverständlich werden alle Thronanwärterinnen auch gekrönt. Unlängst konnten sich Shermin Langhoff, Gйrфme Castell und Christoph Dreher zum Titel gratulieren. Die Gewinne lobt die Nachbarschaft aus. Die gekrönten Häupter können sich über die Gin-Tonic-Flatrate bei Möbel Olfe oder einmal Absätze machen bei Schuster Ibrahim freuen. So richtig mischen sich die Szenen und Generationen, wenn in der Gazino-Reihe mit Hatay Engin ein Gesangsstar der 80er Jahre mit Live-Orchester auftritt. Schon Wochen vorher werden die liebevoll gedeckten, mit Rosen geschmückten Tische gebucht. „Wenn ich diese coole Mischung sehe, frage ich mich immer wieder, wie macht Hatay das bloß?“, sagt Stein. Und er weiß, im Südblock geht das.

Text: Katrin Falbe

Foto: David von Becker

Richard Stein, Tülin Duman (Foto)
Eigentlich sah sich Richard Stein, 49, als Mitbetreiber der Bar Möbel Olfe bereits als ausgelastet an. Als aber klar wurde, dass der Vermieter des jetzigen Südblocks den Flachbau einem Spielcasino zusprechen wollte, begann sich Stein für die Räume zu interessieren. Auch Mitstreiterin Tülin Duman, 34, hat sich in Kreuzberg schon vielfach engagiert. Lange Jahre betrieb sie am Heinrichplatz den Laden „Goal – Eine Welt für Fußball“, in dem es herzerwärmende Fußball-Devotionalien gab, Lesungen oder Ausstellungen. Der Laden existiert weiterhin im Internet. Außerdem war sie Geschäftsführerin von GLADT e.V. (Gays and Lesbians aus der Türkei).

Südblock, Admiralstraße 1–2, Kreuzberg, Tel. 609 41 853, Mo–So ab 10 Uhr, www.suedblock.org

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