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Mйriam Korichi über die Nacht der Philosophie

Korichi-M__riam_27mmIst Berlin spannend für Philosophen?
Oh ja! Weil es so eine verblüffende und verwirrende Stadt ist. Da stellen sich Fragen neu wie: Zu welchem Zweck lebt man in Gemeinschaft?

Was haben Sie vor bei der Nacht der Philosophie?
Professionelle Philosophen werden die ganze Nacht lang zu einem breiten Publikum sprechen, um Philosophie öffentlich zu machen.

Gibt es denn ein neues öffentliches Interesse an Philosophie?
Philosophie hat Menschen zwar immer interessiert, aber: Ja, unsere Zeit ist schon speziell, wenn es darum geht, Bedeutung
zu finden. Und Menschen heute sind durch­aus kritischer als frü­her. Sie wollen mehr wissen.

Warum steigt Ihr Event überhaupt nachts?
Den Tag über sind wir mit Arbeit und den praktischen Dingen des Lebens beschäftigt. Davon ist die Nacht losgelöst, wie in Platons „Symposion“ oder Descartes’ ­“Meditationen“.

Aber wer kann wirklich bis 7 Uhr morgens wach bleiben und 62 Philosophen lauschen?
Das ist natürlich eine Herausforderung. Aber wir bieten ja noch andere Einstiege in die Philosophie außer die Vorträge: künstle­rische Performances und Filme. Wir versuchen, so offen wie möglich zu sein und den Besuchern die Wahl zu lassen.

In London und Paris ging das gut auf …
Es ist zwar das erste Event dieser Art in Deutschland, aber zweimal habe ich in London solche Philosophie-Nächte und einmal in Paris kuratiert – und jedes Mal blieben Hunderte bis sieben Uhr morgens.

An welches Publikum wenden Sie sich?
Wir wollen Philosophie, durchaus mit ihren hohen Standards, an ein größtmögliches Pub­li­kum bringen – wirklich jeden, der sich fürs experimentelle Nachdenken begeistern kann.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Philosophen und Künstler ausgewählt?
Bei den Philosophen wollten wir ein möglichst großes Panorama zeitgenössischer Philosophie aus Europa – so viel man auf 4?000 Quadratmeter zeigen kann, was es bedeutet, heute zu philosophieren. Jeder durfte übrigens selbst sein Thema wählen, und es gab keine Kollisionen. Die zwölf Künstler sollen der Nacht einen Rhythmus geben, noch mal einen anderen Einstieg in die Philosophie ermöglichen.

Was meinen Sie mit Einstieg?
Indem man sich überraschen lässt, staunen kann und sich hoffentlich vor schnellen Urteilen hütet.

Was würden Sie bei Ihrer Nacht jemandem empfehlen, der sehr wenig über Philosophie weiß?
Alle Performances, besonders den Streit zwischen Mensch und Tier.

Brauchen wir Philosophie überhaupt, um ein gutes Leben zu führen?
Ich weiß nicht, was ein gutes Leben ist. Aber da sind wir schon bei der Philosophie.

Interview: Stefan Hochgesand

Die Nacht der Philosophie Fr 13.6., 19 Uhr; Sa 14.6., 7 Uhr, Institut ­français, Kurfürstendamm 211, Charlottenburg, www.dienachtderphilosophie-berlin.de

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