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Querschnitt-Ausstellung

„Mess With Your Values“ im Neuen Berliner Kunstverein

Die Ausstellung versammelt die Werke von elf Berliner Künstlern, die mit dem Arbeitsstipendium Bildende Kunst des Senats ausgezeichnet wurden

Ausstellungsansicht Mess with Your Values: Lars Bjerre, The beginning, the end, 2018; Nadira Husain, Only Paradoxes to Offer, 2018, Neuer Berliner Kunstverein, 2018 © Neuer Berliner Kunstverein / Jens Ziehe

Alle Jahre wieder vergibt der Berliner Senat das Arbeitsstipendium Bildende Kunst an elf in Berlin lebende Künstler. Auch seit Jahren schon Tradition: die Schau der Preisträger am Ende des Stipendiums im n.b.k. (Neuer Berliner Kunstverein). Solch eine Ausstellung ist natürlich sehr heterogen, da sich nicht nur die künstlerischen Praktiken der ausgestellten Künstler mitunter stark unterscheiden, sondern bei Vergabe des Stipendiums auch auf die Bandbreite der von ihnen verwandten Medien (Fotografie, Video, Skulptur, Malerei) geachtet wird.

Weshalb auch nicht direkt ein roter Faden diese Ausstellung zusammenhält, doch es finden sich wiederkehrende Themen und Auseinandersetzungen mit zeitgenössischen Diskursen. Interessant ist, dass Berlin bei vielen der vertretenen Künstler ein Thema ist, welches sie teilweise mit einem beinahe ethnologischen Blick untersuchen. „Viele der Arbeiten, die wir für diese Ausstellung ausgesucht haben, sind tatsächlich noch ganz neu und während der Zeit des Stipendiums entstanden“, erklären Marenka Kasomil und Michaela Richter, die beiden Kuratorinnen. So sei die in Berlin lebende amerikanische Künstlerin Zoë Claire Miller sozusagen ­direkt vom Flughafen in die Ausstellungsräume gekommen, um ihre Installation „Gracias“ aufzubauen, die während eines knapp halbjährigen Rechercheaufenthaltes in Mexiko entstanden ist. Den Aufenthalt hatte ihr das Stipendium ermöglicht.

Auch der Humor kommt in dieser Ausstellung nicht zu kurz. Gleich beim Betreten der Ausstellungsräume trifft man auf die teils bitterbösen, sehr auf deutsche Befindlichkeiten und Verhältnisse abzielenden Siebdruck-Plakate und Skulpturen von Wilhelm Klotzek. Besonders schön: das Modell des Stadtschlosses samt Spendenmöglichkeit für die schnellstmögliche Sprengung. Humorvolle Momente bietet auch die Videoarbeit „Was tun?“ von Katrin Glanz. Fast ein Jahr lang hat die Künstlerin spontane Interviews mit Berlinern aus unterschiedlichen Berufsfeldern geführt. Die einzige und immer gleiche Frage, die die Künstlerin ihren stellte: „Was würden Sie mir als bildende Künstlerin in der heutigen Zeit raten, zu tun?“. Gerade Personen aus dem Kulturbetrieb können sich da selten ein mehr oder weniger offenes Lachen verkneifen, ist ihnen die prekäre Situation von Künstlern doch nur zu gut bekannt.

Auch die freie Szene ist teil der Ausstellung, da sich Jeremiah Day dazu entschieden hat, neben eigenen, bearbeiteten Fotografien auch Poster des Projektraumes General Public auszustellen, in dem sich Day aktiv engagiert hatte und der heute wie so viele andere Berliner Projekträume leider der Vergangenheit angehört. Besonders treffend und zielsicher ironisch ist das Plakat, auf dem der „Empfehlungsbrief“ von Tim Renner zur Vorlage beim Vermieter angesprochen wird. Geholfen hat der Brief übrigens kein bisschen.

Und dann sind da noch – neben anderen wirklich tollen Arbeiten – die weißen Socken auf dem Wäscheständer und die dazugehörigen großformatigen Malereien von Lars Bjerre, die in ihrem installativen Zusammenhang eine Narration andeuten.

Mess with your Values Neuer Berliner Kunstverein, Chausseestr. 128/129 Mitte, Di–So 12–18 Uhr, Do 12–20 Uhr, bis 29.4.

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