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Micha Brumlik im Gespräch mit Judith Butler

Judith ButlerAm 11. September 2012 wurde die amerikanische Philosophin Judith Butler (Foto) in der Frankfurter Paulskirche als erste Frau überhaupt mit dem renommierten Adorno-Preis ausgezeichnet. Der Verleihung war eine heftige Kontroverse um die politische Haltung und die moralische Integrität der weltberühmten Gender- und Queer-Theoretikerin vorausgegangen. Butler, die selbst Jüdin ist und ihr eigenes Denken in eine Tradition jüdischer Ethik stellt, hatte die antiisraelischen Gruppierungen Hamas und Hisbollah bei einer Diskussion 2006 als progressive Bewegungen und „Teil der globalen Linken“ bezeichnet. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat im Anschluss an die Nominierung Butlers für den Adorno-Preis heftig protestiert. Der Vorsitzende Stephan Kramer bezeichnete die Philosophin als „Israel-Hasserin“, die mit ihrer Verharmlosung von Terrorgruppen und ihren Boykottaufrufen gegen den jüdischen Staat die Sache der „Todfeinde Israels“ unterstütze. Dieser Ansicht widersprach eine Gruppe von Intellektuellen um Nancy Fraser und Micha Brumlik. Butler fühle sich einer „Kultur der Gewaltlosigkeit und Verständigung“ verpflichtet. In der Zeit und in der Taz hat die Autorin von „Gender Trouble“, deren Werk seit den 90ern weit über akademische Kreise hinaus rezipiert wird, zu den Anschuldigungen Stellung bezogen. Rein deskriptiv sei ihre Aussage bezüglich Hamas und Hisbollah gewesen und Antiimperialismus nun mal ein Charakteristikum beider Gruppierungen. Sie sei jedoch weit davon entfernt, den Terror gegen israelische Zivilisten gut zu heißen.
Auch wenn sie lediglich versucht hat, Kriterien für einen immer schwammiger werdenden Begriff zu formulieren, bleibt fraglich, ob das Moment des Antiimperialismus genügt, um Gruppierungen als links zu etikettieren, die nicht für das Proletariat und gegen den Klassenfeind, sondern für Allah und gegen die Existenz des jüdischen Staates kämpfen.
Das Jüdische Museum Berlin und das ICI Kulturlabor haben im Zuge der Adorno-Preis-Kontroverse zur Diskussion geladen. Am 15. September sprechen Judith Butler und der jüdische Erziehungswissenschaftler und Publizist Micha Brumlik über die heikle Frage, ob der Zionismus genuin zum Judentum gehört. Auch wenn das philosophische Werk Butlers – das unter Anderem mit der pointierten These einer soziokulturellen Konstruktion des Geschlechts aufwartet – im Streit um ihre politische Position leider weitgehend außen vor blieb, ist in jedem Fall mit einer spannenden Auseinandersetzung zu rechnen.

Text: Christoph David Piorkowski

Foto: Andrew Rusk / Creative Commons

Diskussion: Gehört der Zionismus zum Judentum? Eine Standortbestimmung im 21. Jhd., Jüdisches Museum Berlin/Glashof EG, Lindenstraße 9-14, Kreuzberg, Sa 15. 9., 19.30 Uhr, Eintritt 7 Euro / erm. 5 Euro. Tel. 259 93 517

www.jmberlin.de

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