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Ming Wong in der Galerie Invaliden1

Ming_WongIm weißen Anzug, mit Hut und Schnurrbart wie seinerzeit Thomas Manns Protagonist Aschen­bach stolpert der 1971 in Singapur geborene Künstler Ming Wong während der 53. Biennale durch Venedig. Eine Gruppe von jungen Frauen blickt sich noch lachend nach dem merkwürdig Gekleideten um. Doch dann lässt Wong die moderne Stadt der Kanäle schnell hinter sich und taucht vollkommen in die verfilmte Geschichte vom „Tod in Venedig“ ein. Auf zwei gegenüberliegenden Leinwänden sehen wir ihn als den jungen Tadzio im Matrosenanzug und geringeltem Einteiler beim Bade und als den vor Liebe kranken Aschenbach beim Spannen. Wie Besucher eines Tennisspiels verfolgen wir die Protagonisten zu beiden Seiten, legen unsere eigene Schnittfolge fest, während der unverkleidete Wong auf einem dritten kleinen Screen am Klavier mit Gustav Mahlers „Ada­gietto“ die Filmmusik liefert. Mit großer Lust am Rollenspiel schafft Wong sich ein Kino des Lebens. Er taucht in ferne Identitäten und unbekannte Sprachwelten ein, und gleichzeitig bringt er uns dazu, durch seine oft humorvolle Verfremdung Vertrautes analytisch zu betrachten.    

Text: Constanze Suhr

tip-Bewertung: Sehenswert


Ming Wong „Life and Death in Venice“,

Invaliden1, Brunnenstraße 22, Mitte,
Di-Sa 12-18 Uhr, bis 20.3.

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