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Mobile Zwischennutzung: Kjosk am Görli

KjoskDoch der Doppeldeckerbus ist mehr als das, er ist Späti, Cafй, Jugendzentrum, Nachbarschaftstreff und Bar in einem. Im Unterdeck sieht es aus wie in einem Tante-Emma-Laden: vollgestopft mit Zeitschriften, Gläsern voller Süßigkeiten, Katzenfutter, Tabak, Getränken, Batterien, Yum-Yum-Suppen, Wunderkerzen und Seifenblasen. Die Atmosphäre im Oberdeck erinnert dagegen eher an ein Zugrestaurant in einem nostalgischen Film: Die Sitzbezüge sind verschlissen, auf den schmalen Tischen liegen rot-weiße Tischdecken. Hier sitzt man, um sich zu unterhalten, Karten, Schach oder Super Nintendo zu spielen. Man rückt hier eng zusammen: Zwischen französischen Austauschstudenten und modebewussten Mittzwanzigern mit der obligatorischen Nerdbrille sitzt ein etwas derangiert aussehender Physiker, neben ihm ein lesbisches Pärchen mit Kind.
KjoskIm Kjosk kommt der Alkoholiker vorbei, der sich einen neuen Schnaps kauft, aber auch die Mutter mit Kind, die sich ihren ersten Kaffe holt. Oder Schulkinder auf dem Heimweg, die sich eine süße Tüte holen. „Ich mag das, wenn sich die Milieus vermischen“, sagt Rosmarie Köckenberger, die Inhaberin und Erfinderin des mobilen Kiosks. Vorher betrieb sie ein Kunsthotel in Neukölln, doch das Haus wurde zwangsversteigert, sie musste raus. „Mit dem Bus bin ich flexibler, ich kann immer wegfahren, wenn es mir hier nicht mehr gefällt.“ Und das wird sie auch bald tun. Im Sommer soll der Bus wieder etwas mehr Grünfläche unter die Rädern bekommen. „Ich werde aber im Kiez bleiben“, sagt die gebürtige Kreuzbergerin. Wohin verrät sie noch nicht. „Ungelegte Eier soll man nicht begackern.“    

Text: Teresa Geisler
Fotos: Oliver Wolff

Kjosk
Parkplatz vor der Skalitzer Straße 38, Kreuzberg,
tgl. 8–2 Uhr,
www.kjosk.com

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