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12 Museen in Charlottenburg: Wählen zwischen Kunst, U-Bahn und Keramik

Die vielen Museen in Charlottenburg machen den Stadtteil zum Kulturbezirk, irgendwie. Kunst und Geschichte, Fotografie und Gips, Keramik und Architektur. Ein kleiner Spaziergang macht Besucher:innen zu wandelnden Enzyklopädien, Brockhaus-Lexika mit Turnschuhen. Die sind schließlich nötig, um die unzähligen Meter an Galerien abzulaufen. Damit ihr euch nicht in der Museumslandschaft verlauft, haben wir 12 spannende Museen in Charlottenburg für euch herausgesucht.


Eines der historischen Museen in Charlottenburg: das Museum Berggruen

Bereits der Bau des Museum Berggruen in Charlottenburg erzählt eine spannende Geschichte. Foto: Imago/POP-EYE

Bereits 1859 gebaut, ist die Heimat des Museums Berggruen ein Gebäude, das sich selbst als Exponat eignen könnte. Um die Gestaltung kümmerte sich Friedrich August Stüler, der bereits die Alte Nationalgalerie entwarf. Parallel arbeitete er an einem Anbau, einem Zwilling, direkt neben dem Museum: die Sammlung Scharf-Gerstenberg. Beide Bauten dienten zunächst einem praktischen Zweck – oder Zwecken. Erst Offizierskasernen, dann Polizeischule und anschließend Führerschule der Sicherheitspolizei, die Exekutive des Dritten Reichs. Nach dem Zweiten Weltkrieg und schweren Beschädigungen sowie anschließenden Reparaturen zog 1960 die Antikensammlung in das spätere Museum Berggruen. Allerdings nur zeitweise. Seit dem Mauerfall findet sich diese auf der Museumsinsel.

Das Loch stopfte 1995 der Kunstsammler Heinz Berggruen mit seiner Kunstsammlung, daher der Name. Der Kunstsammler liebte die klassische Moderne, ersteigerte Werke von Pablo Picasso, Paul Klee und auch Henri Matisse, stellte sie in dem Museum aus. Auch nach seinem Tod, 2007, stellt Bergruens Familie dem Museum weitere Werke nach Ersteigerung zur Verfügung. Kein Wunder also, dass es Standort einer der bedeutendsten Sammlungen klassischer Moderne ist. Auch für weniger Kunstbegeisterte einen Blick wert, immerhin birgt die Epoche auch herrlich Schräges. Übrigens: die Sammlung Berggruen gehört zur Berliner Nationalgalerie.

  • Museum Berggruen Schloßstraße 1, Charlottenburg, Di-So 10-18 Uhr, Tel: 030/266424242, weitere Infos findet ihr hier

Sammlung Scharf-Gerstenberg

Auch der Zwillingsbau neben dem Berggruen hat viel zu erzählen. Foto: Imago/Joko

Der Zwilling direkt neben dem Museum Berggruen ist Heimat eines Teils der Kunstsammlung von Otto Gerstenberg, einem bedeutenden Kunstsammler des 20. Jahrhunderts. Einige Werke schafften es nicht heil durch den Zweiten Weltkrieg, andere landeten als sogenannte „Beutekunst“ in russischen Museen. Gerstenberg blieb trotzdem genug, um einen Teil an seinen Enkel Dieter Scharf zu vererben, die Sammelwut gab er gleich mit weiter. Scharf begann den geerbten Grundstock stetig zu erweitern. Er gründete die „Stiftung Sammlung Dieter Scharf zu Erinnerung an Otto Gerstenberg“ (Symphaten nennen sich immer zuerst) und stellt sein Sammelsurium seit 2008 im Gebäude neben dem Berggruen Museum aus, unter anderem gehören surrealistische von Werke Max Ernst oder René Magritte zu den Exponaten.

  • Sammlung Scharf-Gerstenberg Schloßstraße 70, Charlottenburg, Di-So 10-18 Uhr, Tel: 030/266424242, weitere Infos findet ihr hier

Bröhan Museum

Das Gebäude sieht zwar nicht so aus, doch im Bröhan Museum ist es besonders gemütlich. Foto: Imago/Joko

Namensgeber ist auch hier ein leidenschaftlicher Kunstsammler, Karl H. Bröhan. Er begeisterte sich vor allem für Jugendstil, Art Deco und der Kunst der Berliner Secession. Ganz im Geiste der Freigiebigkeit schenkte er seine Sammlung zu seinem 60. Geburtstag dem Land Berlin. 1983 eröffnete das Bröhan-Museum. Unter den Museen in Charlottenburg wirkt es deutlich rustikaler, fast schon heimelig, trotz der Bürokratiehölle anmutenden Außenfassade des Gebäudes.

  • Bröhan Museum Schloßstraße 1a, Charlottenburg, Di-So 10-18 Uhr, Tel: 030/32690600, weitere Infos findet ihr hier

Villa Oppenheim

Reiche Leute brauchten damals scheinbar einen Sommersitz, so auch die Familie Oppenheim. Foto: Imago/Joko

Ursprünglich ließen Margarete und Otto Georg Oppenheim die Villa 1881 als Sommersitz bauen. Prunkvoll, wie für die Zeit üblich, ist sie im Stil der Neurenaissance gehalten. Weiß und rot harmonieren nicht nur auf Pommes, wie die Sandsteinrahmen und Backsteinwände des Gebäudes zeigen. Bereits 1911 gab das Paar die Villa an die Stadt. Es dauerte allerdings Jahrzehnte, bis das erste Museum einzog. So war sie unter anderem ein Seuchenlazarett im Zweiten Weltkrieg. Dass die Oppenheims die Villa dem Kosenamen „Sorgenfrei“ gaben wirkt hier ein wenig ironisch. Erst 1987 zog die Galerie des Kunstamts Charlottenburg und damit die erste Kunstausstellung in das Gebäude. 2005 löste sie die Galerie für Gegenwartskunst ab. Seit 2012 befindet sich darin das Museum Charlottenburg-Wilmersdorf mit einem Fokus auf die Geschichte des Bezirks.

  • Villa Oppenheim Schloßstraße 55, Charlottenburg, Di-So 10-17 Uhr, Tel: 030/902924108, weitere Infos findet ihr hier

Schloss Charlottenburg: Prunkvollstes (oder protzigstes) Museum im Bezirk

Prunkvoll und protzig liegen nahe beieinander. Welches Prädikat wohl auf das Schloss Charlottenburg zutrifft? Foto: Imago/Jürgen Ritter

Von 1701 bis 1888 war es Sommerresidenz der preußischen Könige. Sich in einem gewaltigen Barockkoloss zu verlaufen ist auch eine Freizeitbeschäftigung für die warmen Monate. Über Jahrzehnte kamen Anbauten dazu, etwa ein neuer Flügel und ein Theater. Im Zweiten Weltkrieg rissen Bomben Brocken aus dem Bau, zusätzlich stürzte die Kuppel ein und einige Teile brannten aus. Es folgte der Wiederaufbau. Das Schloss könnt ihr heute als Museum besichtigen. Die Wohnung Friedrich des Großen, das Porzellankabinet und die zahlreichen Gemälde sorgen für einen abwechslungsreichen Ausflug. Im Schloss hört’s aber nicht auf. Der Schlossgarten wie auch der alte Pavillon sind ebenso sehenswert. Hier stellen wir euch das Schloss Charlottenburg ausführlich vor.

  • Schloss Charlottenburg Spandauer Damm 10-22, Di-So 10-17.30 Uhr, Tel: 0331/9694200, weitere Infos findet ihr hier

Das Verborgene Museum

Ein Fundgrube für Kunstschätze: das Verborgene Museum. Foto: Countess Sofia/CC BY-SA 4.0

Das Museum ist nicht wirklich verborgen, mehr die Exponate. 1987 stellten die beiden Künstlerinnen Evelyn Kuwertz und Gisela Breitling eine Ausstellung aus den Werken „vergessener“ Künstlerinnen zusammen. Dafür durchforsteten sie die Depots der Westberliner Museen. Der Name rührt also von den Werken, die „verborgen“ in den Abstellräumen vor sich hin staubten. Ein paar Werke von vormals weniger bekannten Künstlerinnen schafften es über das Museum in größere Galerien, etwa die der Fotografin Marianne Breslauer und der Malerin Lotte Laserstein. Ein Name, der nach Geheimtipp klingt, könnte also nicht passender sein.

  • Das Verborgene Museum Schlüterstraße 70, Charlottenburg, Fr 15-19 Uhr & Sa-So 12-16 Uhr, Tel: 030/3133656, weitere Infos findet ihr hier

Museum für Fotografie

Dass das Museum für Fotografie mal ein Kasino war, ist kaum erkennbar. Foto: Sebastian Rittau/CC0

1909 noch ein Kasino, in dem der Offizierscorps der Landwehr-Inspektion Berlin seinen Sold verzockte, ist der neoklassizistische Bau heute Heimat des Museums für Fotografie. Von der Spielhölle zur Kulturstätte. Beides sorgt für Erkenntnisgewinn, der Totalverlust gibt ebenso neue Blickwinkel aufs Leben wie die ausgestellten Werke von Helmut Newton, sei es auch nur der Fakt, dass die reine Darstellung „makelloser“ nackter Körper heutzutage so spannend ist wie ein Gang zum Bürgeramt. Doch gerade deshalb ist das Museum etwas Besonderes, weil wir darin lernen können, wie sich die Gesellschaft entwickelt hat, sei es nun gut oder schlecht. Außerdem bietet es noch mehr, aber wir wollen mal nicht zu viele Spoiler bringen.

  • Museum für Fotografie Jebensstraße 2, Charlottenburg, Di & Mi 11-19 Uhr, Do 11-20 Uhr, Fr-So 11-19 Uhr, Tel: 030/266424242, weitere Infos findet ihr hier

Keramik-Museum Berlin

Keramik geht nicht nur fürs Klo: das Keramik-Museum. Foto: Keramikmuseum Berlin/CC BY-SA 4.0

Mehr als 8000 Exponate in dem Museum zeigen, wie viel Kunst mit Keramik möglich ist. Und dabei beschränken sich die Stücke nicht nur auf Kitsch aus Großmutters Wohnzimmer. Seit 1990 sammelt der Verein „Keramik-Museum Berlin“ alle Arten von Gefäßen, Plastik sowie Bau- und Ofenkeramik des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Erinnerung an ein Handwerk, welches heute wahrscheinlich eine untergeordnete Rolle spielt, es sei denn, es geht um Toilettenbau. Mit dem 1712 entstandenen ehemaligen Bürgerhaus Charlottenburgs wird das KMB zu einem der heimeligeren Museen in Charlottenburg.

  • Keramik-Museum Berlin Schustehrusstraße 13, Charlottenburg, Mo 13-17 Uhr & Fr-So 13-17 Uhr, Tel: 030/3212322, weitere Infos findet ihr hier

C/O Berlin

Das C/O ist direkt im Amerikahaus. Foto: Raimond Spekking/CC BY-SA 4.0

Das private Ausstellungshaus für Fotografie hat seit seiner Gründung 2000 bereits rund 180 Ausstellungen organisiert, darunter welche mit Schwerpunkten zu Überwachung, Bildkommunikation und Tod. Auch die Berliner Fotogeschichte wird hier thematisiert, die aufgrund der vielen Ereignisse in der Hauptstadt durchaus facettenreich ausfällt. Dank vieler Kooperationen mit berühmten Häusern, etwa dem Metropolitan Museum of Art in New York und dem Albertina Museum in Wien, entwickelte sich das C/O Berlin zu einem der renommiertesten Fotomuseen weltweit. Grund ist auch das hohe Arbeitspensum. Mittlerweile organisieren die Verantwortlichen zwölf Ausstellungen pro Jahr. Viel hilft viel, solange die Qualität stimmt. Tut sie in dem Fall.

  • C/O Berlin Hardenbergstraße 22-24, Charlottenburg, Mo-So 11-18 Uhr, Tel: 030/28444160, weitere Infos findet ihr hier

Käthe-Kollwitz-Museum

Beeindruckend und bedrückend: das Käthe-Kollwitz-Museum. Eines der Museen in Charlottenburg, die zeigen, welchen kunsthistorischen Wert bereits ein Mensch haben konnte. Foto: De-okin/CC BY-SA 3.0

Meist war es bitterer Ernst, den Käthe Kollwitz in ihren Werken abbildete. Ihre Arbeiten, ob nun Zeichnungen, Kupferstiche oder Plastiken, bilden häufig Menschen auf erschreckend realistische Weise in erschreckend deprimierenden Positionen ab. Dass sie auf persönlichen Lebensumständen der Menschen im 20. Jahrhundert beruhen, verleiht dem Ganzen eine zusätzliche Schwere. Fast schon erdrückend. Der Kunstsammler Hans Pels-Leusden begeisterte sich dafür, sammelte ihre Werke und widmete Kollwitz 1965 eine Ausstellung. Seit 1986 ist seine Sammlung fester Bestandteil des Käthe-Kollwitz-Museums. Pels-Leusden trat sie ab. In einer ehemaligen Stadtvilla in der Fasanenstraße könnt ihr euch heute auf drei Stockwerken Kollwitz Schaffenswerk anschauen.

  • Käthe-Kollwitz-Museum Fasanenstraße 24, Charlottenburg, Mo-So 11-16 Uhr, Tel: 030/8825210, weitere Infos findet ihr hier

U-Bahn-Museum

Der Eingang des U-Bahn Museums in Berlin. Das Museum liegt in der U-Bahn-Station Olympiastadion in einem alten Stellwerk. Foto: Clemensfranz/CC BY-SA 3.0

Zur U-Bahn in Berlin gibt es viel zu erzählen. Bei einer Geschichtsschreibung, die 1902 begann, ist klar, dass sich etwas anstaut. Deshalb hat die BVG 1997 ein Museum eröffnet, das durch die lange Historie der Öffis geleitet, von den Anfängen dieser verkehrstechnischen Revolution bis heute. Exponate aus mehr als 100 Jahren U-Bahn-Geschichte, wobei der Schwerpunkt auf den technischen Einrichtungen (oder Finessen) des U-Bahnbetriebs liegt. Historische Uhrenstationen, verschiedene Stellwerktypen, ein Diagnosecomputer zur Fahrzeugwartung, ein Fest für Nerds und solche, die es gerne werden wollen. Für eine ordentliche Schippe Partywissen dürfte das wohl sorgen, sofern alle zuhören.

  • Berliner U-Bahn-Museum Rossitter Weg 1, Charlottenburg, jeden zweiten Samstag im Monat 10:30-16 Uhr, weitere Infos findet ihr hier

Abguss-Sammlung Antiker Plastik

In der Antike war drei gegen einen Gang und Gebe (so sagt man). Foto: James Steakley/CC BY-SA 3.0

Die Antike, Zeit schöner Menschen, Zeit schöner Darstellungen schöner Menschen. Ideale, die noch heute Gesellschaft und (teilweise) Balzverhalten prägen. Obgleich Bildhauerei das Photoshop dieser Zeit war, sind die Werke kunsthistorisch bedeutend. Um möglichst viele davon der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, gibt es Abgusssammlungen. Die setzten sich aus Repliken zusammen, die meist aus Gips oder Kunstharz bestehen. In der Berliner Abgusssammlung stehen Skulpturen vom 3. Jahrtausend vor Christi bis 500 nach Christus. Gestellt wird sie von der Freien Universität, zum Forschen und Bewundern.

Abguss-Sammlung Antiker Plastik Schloßstraße 69b, Fr+Sa 14-17 Uhr, Eintritt frei, 030/3424054, weiter Infos findet ihr hier


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