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Das Stasimuseum in Berlin: Geschichte, Wissenswertes und Besucherinfos

Fast 30 Jahre lang stand das Haus 1 der ehemaligen Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit und alles, was in seinem Inneren geschah, unter strengster Geheimhaltung. Heute befindet sich in diesem Komplex das Stasimuseum Berlin, als Teil der Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße. Es erinnert an eine Zeit der Überwachung und Kontrolle. Auf drei Etagen erfährt man hier, wie die Stasi entstand, sich entwickelte und ihr Ende fand. Alle Infos zum Besuch des Stasimuseums gibt es hier.

Im Haus 1 der ehemaligen Zentrale des MfS befindet sich heute das Stasimuseum Berlin. Foto: Imago/Bernd Friedel

Die Stasizentrale als Inbegriff des DDR-Machtapparats

Geschichte Der Komplex, in dem sich heute die Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße befindet, wurde in den 1930er-Jahren erbaut und diente als Finanzamt für den Stadtteil Lichtenberg. 1961 zog auch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in das Gebäude ein. Das Haus 1, in dem sich heute das Stasimuseum befindet, war knapp 30 Jahre lang Sitz des amtierenden Ministers für Staatssicherheit, Erich Mielke.

Bis zu seinem Rücktritt 1989 war Mielke einer der Hauptverantwortlichen für den Ausbau der Sicherheitsorgane der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR und dem damit verbundenen flächendeckenden Kontroll-, Überwachungs- und Unterdrückungssystem. Für die enorme Erweiterung des Komplexes in den 1970er-Jahren erfolgte die Umsiedlung der Neuapostolische Kirche – die Stasizentrale wurde zum Inbegriff des DDR-Machtapparats.

Am 15. Januar 1990 besetzten Demonstranten das Gebäude, es entstand eine Bürgerbewegung zur Auflösung vom MfS, die den Erhalt der Originalräume und -akten ermöglichte. Im November desselben Jahres gründet sich auch der Verein Antistalinistische Aktion Berlin-Normannenstraße e. V. und es geschah etwas, das jahrzehntelang undenkbar war: Die Öffentlichkeit durfte das Gebäude betreten.

Im Stasimuseum wird auch ein Gefangenentransporter ausgestellt. Foto: Imago/Jürgen Ritter
Im Stasimuseum wird auch ein Gefangenentransporter ausgestellt. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Ein Blick hinter die Kulissen der Stasi

Seit Januar 2015 können sich Besucher:innen in den Arbeitsräumen Mielkes und dessen Mitarbeiter:innen die Dauerausstellung „Staatssicherheit in der SED-Diktatur“ anschauen. Auf drei Etagen erfährt man von der Entstehung der Stasi über ihre Entwicklung und die ausgefeilten Observationstechniken – und wie die Stasi ihr Ende nahm. Darüber hinaus geht es auch um Widerstandsbewegungen, die Arbeit der Opposition in der ehemaligen DDR und allgemeine Aspekte des politischen Systems.

Die erste Etage des Gebäudes widmet sich den Anfängen und der Entwicklung des Ministeriums für Staatssicherheit, welches bereits kurz nach der Gründung der DDR aufgebaut wurde. Zudem erhalten die Besucher:innen hier einen Einblick, wie die Auswahl der Stasi-Mitarbeiter:innen erfolgte.

Das Büro des Ministers für Staatssicherheit, Erich Mielke, befindet sich in der zweiten Etage des Stasimuseums. Foto: Imago/Jürgen Ritter
Das Büro des Ministers für Staatssicherheit, Erich Mielke, befindet sich in der zweiten Etage des Stasimuseums. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Originale Überwachungstechnik und ein roter Koffer

Die zweite Etage ist das Herzstück des Museums. Die sogenannte Minister-Etage beherbergt die Arbeitsräume Erich Mielkes und seiner engsten Mitarbeiter:innen. Das Büro, das nach den Wünschen des Ministers eingerichtet wurde, kann man heute noch in nahezu unverändertem Zustand besichtigen – mit Schreibtischen, Sesseln und Aktenschränken.

In der dritten Etage widmet sich die Dauerausstellung der Arbeitsweise des MfS sowie den Mitteln und Methoden zur Überwachung der Bürger:innen. Zu sehen gibt es originale Überwachungstechnik wie Kameras und Wanzen sowie Waffen, Uniformen und Ausrüstungsgegenstände.

Fun Fact Unter den vielen Ausstellungsstücken befindet sich auch ein Koffer aus rotem Kunstleder, in dem Mielke Informationen über Erich Honecker verwahrte.

Uniformen, Waffen und andere Ausrüstungsgegenstände der Stasi kann man im Stasimuseum besichtigen. Foto: Imago/Schöning
Uniformen, Waffen und andere Ausrüstungsgegenstände der Stasi kann man im Stasimuseum besichtigen. Foto: Imago/Schöning

Einzelschicksale und die Aufarbeitung vom großen Ganzen

Dargestellt wird Im Museum auch der tiefgreifende Einfluss der Stasi auf alle Lebensbereiche. Mit Fotos und Infotafeln wird von Einzelschicksalen erzählt und so die Auswirkungen des Überwachungssystems auf die Menschen anschaulich gemacht. Ein Teil der Ausstellung ist zudem auch die Auflösung des Ministeriums – und der Versuch der Behörde, vorher systematisch ihre Akten zu vernichten.

Der Verein Antistalinistische Aktion Berlin-Normannenstraße e.V. (ASTAK), der 1990 von Bürgerrechtler:innen in Berlin gegründet wurde, ist Träger des Stasimuseums und der Forschungs- und Gedenkstätte. Sein Ziel ist der Ausbau der Gedenkstätte als Zentrum zur Sammlung, Dokumentation, Aufarbeitung und Ausstellung von Sachzeugnissen sowie zur themenbezogenen Forschungsarbeit zur DDR. Auf Nachfrage organisiert das Museum auch Treffen mit Zeitzeug:innen oder Vorträge und Seminare rund um das Thema.

Wichtige Infos für den Besuch im Berliner Stasimuseum

Öffnungszeiten Das Berliner Stasimuseum kann Freitag bis Sonntag von 11-18 Uhr besucht werden.

Preise Der Eintrittspreis liegt bei 8 Euro pro Person, ermäßigt 6 Euro. Schüler:innen ab 12 bezahlen 3 Euro. Ab zehn Personen gibt es pro Kopf weitere Gruppenermäßigungen. Die öffentliche Führung „Rund ums Museum“ für einzelpersonen kostet zusätzliche 4 Euro zum Eintrittspreis.

Anfahrt Wer mit den öffentlichen Verkehrsmitten anreist, nutz am Besten die U-Bahn mit der Linie U5 oder den Bus Linie 240 bis zur Haltestelle Magdalenenstraße. An der Ruschestraße befindet sich ein kostenpflichtiger Parkplatz, von hier braucht man man etwa eine Minute bis zum Museum.

  • Stasimuseum Berlin, Normannenstraße 20/Haus 1, Lichtenberg, Tel. 030/553 68 54, weitere Informationen gibt es hier

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