Schaurig schön: Agnes Obel in den Gärten der Welt

Im Abendgrauen schwebt eine Seilbahn scheinbar ins Nichts. Die Gärten der Welt in Marzahn wirken schon tagsüber wie eine Filmkulisse – nachts aber fast wie ein Science-Fiction-Set: Japanische Wasserlandschaften, ein Irrgarten und klösterliche Kreuzgänge. Darüber schaukeln leere Gondeln. Kaum ein Ort passt besser zu Agnes Obel, die hier im August auftritt.
Schließlich macht Obel die perfekte Sci-Fi-Musik. Mit ihrer prägnanten Stimme über dramatischen Streicher-Arrangements lieferte die dänische Sängerin bereits den Soundtrack für Serien wie „Dark“ oder „Big Little Lies“. Musik, in der sich langsam ein wohliges Unbehagen ausbreitet. Dass selbst David Lynch eigene Remixe ihrer Stücke anfertigte, überrascht kaum: Seine surrealistischen Traumwelten scheinen mit Obels Liedern verwandt.
Die Seilbahn schwebt ins Nichts
Die 1980 bei Kopenhagen geborene Musikerin lebt seit 2006 in Berlin. Hier fand sie die Freude am Produzieren und die Freiheit, ihre Musik nicht mehr erklären zu müssen. Unbefangen experimentiert sie mit verfremdeten Stimmen, Geigen und antiquierten Synthesizern; auf „Myopia“ verschwimmen Nähe und Distanz wie bei dem Sehfehler, der dem Album seinen Namen gibt.
Live wird ihre Musik noch eindringlicher. Nah an der Bühne verliert sich Obel ganz in ihren Klaviertasten, weiter hinten verschmelzen Lichtprojektionen zu flirrenden Hologrammen. Man hört diese Stimme, glaubt ihr sanftes Versprechen und ahnt doch von der ersten Minute an: Das hier wird wahrscheinlich nicht gut ausgehen. Trotzdem kann man sich ihr nicht entziehen.