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Musik

Zum Tod von Bettina Köster: Leb wohl Queen of Noise

Bettina Köster ist tot. Mit Malaria! und Mania D. schrieb sie sich in die Geschichte der West-Berliner Punk- und Avantgardeszene ein. Die „Queen of Noise“ wurde zum feministischen Role Model und galt als Queer-Ikone. Im Alter von 66 Jahren ist sie in Italien verstorben
Text: Jacek Slaski
Veröffentlicht am: 18.03.2026
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Die Aufnahme zeigt ein Konzert von Malaria! auf der Documenta 7, 1982. Bettina Köster, Sängerin der Band, ist im März 2026 gestorben. Foto: Imago/Future Image 

Diese Stimme – rau und tief, ein unendlicher Kosmos: So klang sie schon in den späten 1970er-Jahren, als sie mit zwei kurz aufeinanderfolgenden Bands, zunächst Mania D. und später Malaria!, die männlich dominierte Punk- und NDW-Welt aufwühlte. New Wave, Post-Punk oder Dark Wave – die Genres waren Köster ebenso wie Gudrun Gut, Beate Bartel, Karin Luner und Eva-Maria Gößling egal. Sie feierten Erfolge, konnten sie jedoch letztlich nicht verstetigen; die Bands zerfielen, während etwa die Kollegen von den Einstürzenden Neubauten, die sich im gleichen Mauerstadt-Biotop der „Genialen Dilletanten“ bewegten, bis heute um die Welt touren. Was geblieben ist, ist zumindest der Malaria!-Hit „Kaltes klares Wasser“, gecovert von Chicks on Speed und vor einiger Zeit von der radioeins-Sommersonntagsjury zum besten Song zum Thema „Wasser“ gewählt.

Bettina Köster blieb dem Underground verbunden

Köster blieb dem Underground verbunden. Sie verließ Berlin, zog um die Welt und fand neue Orte, an denen sie sich ihren vielen Projekten und Leidenschaften widmen konnte. Zwischen New York und Italien entstanden Filmmusiken und neue Songs, Kooperationen mit alten Freunden. Doch immer wieder tauchte sie in Berlin auf, veröffentlichte 2010 ein Soloalbum mit dem bezeichnenden Titel „Queen of Noise“ und spielte Konzerte – eines der letzten im Marie Antoinette, dem heutigen LARK, vor nicht mehr als 100 oder 150 Menschen. Ein größeres Publikum kannte sie, vor allem ihre Stimme, aus ihrer Sendung auf radioeins, wo sie regelmäßig von der Musik erzählte, die sie interessierte.

Wie nun bekannt wurde, starb Bettina Köster am 16. März im italienischen Capaccio Paestum im Alter von 66 Jahren. Am 18. März wurde sie dort im Kreis ihrer Freunde beerdigt. Mit ihrem Tod verliert Berlin eine inspirierende Musikerin.


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