Jenseits von Schwarz-weiß: Golda Schultz singt Lieder im Boulez Saal

Lieder „Dark Matter(s)“ nennt Golda Schultz ihr Programm. „Weil es die Nachtseite von mir widerspiegelt“, so die südafrikanische Sopranistin. Es handelt sich, so Schultz, um „dunkle“ Lieder von Clara Schumann bis Brahms, Rita Strohl bis Florence Price und Richard Strauss’ vier letzte Arbeiten. Lieder also, vom Ende her gedacht – weniger von der sogenannten „schwarzen Stimme“ her, wie man vielleicht vermuten könnte.
Freilich: Gibt es so etwas wie eine „schwarze Stimme“ denn überhaupt? „Durchaus“, so Golda Schultz. „Meine Stimme, würde ich sagen, ist eine ‚Black Voice‘. Alles Weitere geht mich nichts an.“ Dies alles seien „alte, generalisierende Kategorien, um die Leute einzukasteln. Generalisierungen, fürchte ich, bringen uns in diesem Punkt nicht weiter.“ Recht hat sie. Zumal es People of Color gab und gibt, die sich derlei Zuschreibungen entzogen (z. B. die amerikanische Sopranistin Reri Grist, die das erste „Somewhere“ in der „West Side Story“ sang und deren Stimme keinerlei Annahmen nahelegt). Es gab sogar weiße Sänger mit „schwarzer Stimme“ (z. B. den kanadischen Bariton George London). Also: Schluss damit!
Wir waren auch nur durch den Titel des Liederabends darauf gekommen. Der stammt von Golda Schultz selbst. Die 1983 in Kapstadt geborene Sängerin kam 2011 an die Bayerische Staatsoper und lebt nach einigen Jahren in Augsburg heute in Berlin. Sie sang vor allem Mozart-Rollen von Mailand und New York bis zu den Salzburger Festspielen. An der Berliner Staatsoper war sie zuletzt als Sophie im „Rosenkavalier“ zu erleben. Sie ist einer der heute großen Namen.