Donald Trump sollte mal mit Kurt Vile spazieren gehen

Zum 250. Jahrestag der Gründung der USA gab es die größten Feuerwerke in der Geschichte des Landes. In New York liefen historische Segelschiffe ein und in Washington, D.C. flogen hunderte Militärflugzeuge übers Kapitol. In Philadelphia wurde 1776 die US-amerikanische Unabhängigkeitserklärung verkündet, und Kurt Vile, einer der vielen berühmten Söhne der Stadt, gratuliert mit einer Liebeserklärung in Albumform. „Philadelphia’s Been Good to Me“ heißt die Platte, auf der sich Vile erneut als verpeilter Slacker-King präsentiert. Die Drums stolpern, die Gitarren dudeln, die Synthesizer wabern und die Stimme bricht. Liebevoll und wahrscheinlich ziemlich bekifft singt der Baumwollhemdträger davon, dass er hofft, nicht in den Schuylkill zu fallen. Der Fluss sei verschmutzt und schwer zu buchstabieren, aber er fließe halt durch Viles geliebtes Philly.
Einfach ein guter Typ: Kurt Vile spielt im Huxleys
Es fällt unglaublich leicht, diesen langhaarigen Ursympathen auf seinen Spaziergängen zu begleiten. Er klingt dabei wie ein alter Freund, den man auf dem Nachhauseweg stützen muss, und der einem stundenlang was von Fender-Gitarren aus den 1960ern und heißen Karren aus den 1970ern erzählt. Langweilig wird es nie, auch wenn man nur die Hälfte versteht.
Kurt Vile ist Amerika durch und durch. Also das Amerika, von dem man immer träumt. Ohne Trumps und verschwörerische Tech-Mogule, dafür mit coolen Tankstellen-Typen, runtergerockten Mustangs und Marshmallow-Milchshakes. Onkel Donald sollte mal mit Kurt Vile am Schuylkill spazieren gehen. Die Welt wäre eine bessere!Lennart Koch