Luvre47 und die Gropiusstadt – Wir trafen den Berliner Rapper in seiner Hood

Die Sonne knallt gegen die weißen Hochhäuser der Gropiusstadt an diesem ersten warmen Tag im Jahr. Es riecht nach Frühling und die Betonriesen ragen symmetrisch in den blauen Himmel. Luvre47 spaziert entspannt mit einem Cappuccino in der Hand durch die Grünanlagen. Ein paar ältere Menschen machen friedlich Rast auf von Graffiti verzierten Parkbänken und trinken dabei heiße Getränke aus Thermoskannen.
Bei einem der Plattenbauten, weiß mit gelben Balkonen, klingelt Luvre. Wir fahren mit dem Fahrstuhl in den siebten Stock und laufen von dort zwei Etagen weiter über die Feuertreppe nach oben. Von hier aus kann man die ganze Gropiusstadt überblicken. Die Siedlung wurde in den 1960er-Jahren als modernes Wohnprojekt geplant – viel Licht, viel Grün, viel Zukunft. Sein eigener Großvater baute sie als Maurer mit auf. Heute leben hier über 40.000 Menschen. Manche der Hochhäuser haben hunderte Wohnungen. In einer davon ist auch er aufgewachsen.
„Fast keines der Häuser hier wurde wirklich von Walter Gropius entworfen“, sagt Luvre und blickt über die Plattenbau-Skyline. Die 47 in seinem Namen ist ein Verweis auf die alte Postleitzahl von diesem Teil von Neukölln. Seine Gegend spielt in seiner Musik immer eine Rolle. Was er rappt, hat er erlebt.
Luvre47 steht für authentischen Straßenrap aus Südneukölln. Spätestens seit seinem Debütalbum „Herz“ (2022) kennt man ihn in der Deutschrap-Welt. Seine Themen: Rohe Geschichten von den Straßen, ohne prollige Angeberei, oft durchzogen von einer Melancholie, die man ihm trotz aller Härte abnimmt. Der Weltschmerz sitzt tief. „Ich komme nicht aus dem allerärmsten Haushalt“, sagt er, „ganz normaler Mittelstand. Ich wollte aber immer raus, Abenteuer erleben, meinen Platz in der Welt finden.“
Luvre47: „Und danach hat der ganze Wahnsinn angefangen“
Anfangs wollte er Profifußballer werden. Er ging auf ein Fußballinternat, mit 18 kam er zurück nach Berlin. „Und danach hat der ganze Wahnsinn angefangen“, erzählt er, „ich habe vorher schon Scheiße gebaut, aber nicht um Geld zu machen, mit 14, 15. Das war eigentlich noch alles ein bisschen Straßenköter-mäßig. Als ich wiedergekommen bin und dann gepeilt habe, Fußball macht A. keinen Spaß und B., das reicht leistungstechnisch nicht, um Profi zu werden, habe ich mich auf ein paar anderen Wegen verloren.“
Damit meint er Graffiti, Drogen, Kriminalität und die Hooligan-Szene. Darüber erzählt er in seiner höflichen und zurückhaltenden Art weiter: „Es ging immer um die Frage: Wie holen wir uns den nächsten Kick? Und irgendwann auch: Wie kommen wir an ein paar Euro, weil man merkt, man hat nicht genug in der Tasche.“
Während er durch die Gropiusstadt läuft, begrüßt er ein paar Leute…