Poliça haben keine Lust, mit dem Schicksal zu hadern

„I don’t waste my time on wishes and hopes, I do what I can till I can’t no more“: Poliça haben keine Zeit zu verlieren, keine Lust, mit dem Schicksal zu hadern. Die Synth-Indie-Rocker aus Minneapolis wollen alles machen, was geht, bevor nichts mehr geht. Eine Stimmung, die der Entstehungsgeschichte ihres mittlerweile siebten Albums „Dreams Go“ geschuldet sein dürfte. Denn Bassist und Gründungsmitglied Chris Dierden ist darauf zum letzten Mal zu hören. Glioblastome, bösartige Tumore im Gehirn, nahmen ihm die Fähigkeit, sein Instrument zu spielen, die Aufnahmen entstanden im Wissen um seine Krankheit. Für die Tour zum Album rekrutierte die Band mit Alex Nutter einen Ersatz, mit dem sich Poliça live neu erfinden wollen. Der Abschied ist auch ein Anfang.
Nach ihrem Debütalbum „Give You the Ghost“ wurden Poliça von der Kritik mit Lob überhäuft; einer der berühmtesten Fans war Bon-Iver-Frontmann Justin Vernon, der die Gruppe sogar als „beste Band, die ich je gehört habe“ bezeichnete. Und tatsächlich hört man den Einfluss, auf „22, A Million“ erinnert Vernons elektronisch verwaschener Gesang des Öfteren an den unverkennbaren Stil von Poliça-Frontfrau Channy Leaneagh.
Auf „Dreams Go“ sind die Songs langsamer, vertrackter, weniger getrieben als frühere Tracks. Den Emotionen und Leaneaghs Vocals wird viel Raum gegeben, eine andächtige Atmosphäre, die sich live noch besser durchsetzen dürfte als auf dem Album, interpretiert vom neuen Line-up. „Revival or return“ – so oder so, Poliça sind hier, um zu bleiben.