Spring Bash im Cassiopeia – Harte Klänge zum Frühling

Corona war für viele Einrichtungen ein vernichtender Schlag, und auch der Nuke Club in Friedrichshain wurde nicht verschont. Die ersten Versuche, der Pandemie mit neuen Online-Partyformaten zu trotzen, wurden jäh unterbrochen, als im Juli 2021 die Ansage vom Vermieter kam: Der Mietvertrag wird nicht verlängert. Plötzlich hatte Berlin keinen reinen Metalclub mehr.
Vorher unter dem Namen K17 – liebevoll „Kasi“ genannt – bekannt, war der Club in der Pettenkoferstraße seit 1999 eine etablierte Größe in der Schwarzen Szene. 2013 wechselten Besitzer und Name, das Programm blieb jedoch gleich: auf drei Floors Metal (von Thrash Metal über Metalcore bis hin zu Pagan Metal war alles vertreten), Gothic und sogar ein Mainstream-Floor für eine kleine Ladung Popmusik zwischendurch.
Einen solchen Club gibt es aktuell nicht mehr – einen Club, der ausschließlich für Metalheads und Szenemenschen konzipiert ist. Man muss Unterschlupf finden in anderen, kleineren Clubs, die mit Metal-Konzerten und Partys aufwarten und weiterhin dunkle Klänge zum Feiern bieten.
Der Cassiopeia Club auf dem RAW-Gelände ist einer dieser Orte. Hier spielen oft Metal- und Punkbands wie Unprocessed und Nova Twins. Auch die DTB-Party („Drop the Bomb“) findet jeden ersten Samstag im Monat statt, bei der Besucher:innen zwischen dem Core-Floor (Metal und Hardcore), dem Rock-&-Alternative-Floor und dem Pop-Floor (mit Songs aus den 90ern und 2000ern) hin- und herpendeln können.
Spring Bash mit der Berliner Band What’s Left Behind
Am 24. Mai kehrt das Spring Bash wieder ins Cassiopeia zurück. Ab 14 Uhr lassen zehn Bands auf zwei Bühnen den ganzen Tag Metal erklingen. Mit dabei: die Berliner Band What’s Left Behind. Seit 13 Jahren spielt die fünfköpfige Band energetischen Metalcore – nimmt sich dabei aber selbst nie zu ernst, covern auch mal „Pippi Langstrumpf“ mit Growl-Einlagen oder springen mit Seifenblasenpistole über die Bühne.
Letztes Jahr waren sie Teil des Autumn Bash (dasselbe Konzept wie das Spring Bash, nur eben im Herbst) und freuen sich, dieses Jahr wieder dabei zu sein und im Cassiopeia aufzutreten, das als einer der letzten Szeneorte einen hohen Stellenwert genießt. Die Veränderungen in der Clubkultur beschäftigen sie – als Band, die seit über zehn Jahren dabei ist, haben sie vieles hautnah miterlebt. Besonders für kleine Bands wird es immer schwieriger, Gigs zu finden. „Da hat sich einiges verändert, und es gibt viel weniger Möglichkeiten als noch in unseren Anfangsjahren“, meint Angelo, der die Band damals noch in der Schulzeit gründete. „Da gab es noch viel mehr Veranstaltungsreihen, die regelmäßig stattgefunden haben – zum Beispiel in Jugendclubs, die sich auf härtere Musik spezialisiert hatten.“ Jugendclub Linse, K17, Musik und Frieden – alles Clubs und Veranstaltungsorte, die innerhalb des letzten Jahrzehnts dichtgemacht haben.
Hinzu kommt, dass Veranstalter:innen vorsichtiger geworden sind, da mit Events mittlerweile ein größeres finanzielles Risiko einhergeht. Deshalb haben kleinere Bands immer weniger Chancen und werden oft anhand ihrer Präsenz auf Social Media und ihrer Follower:innen-Zahlen bewertet. „Der Marktdruck ist sehr hoch“, sagt Nils, der Schlagzeug spielt und gleichzeitig singt. „Es gibt einen Riesenwettbewerb und auf Social Media diesen Kampf um Aufmerksamkeit. So entsteht viel Druck, als Band da mitziehen zu müssen.“

Laut eigener Aussage sind viele Besucher:innen nach ihren Auftritten überrascht, weil ihre Shows so viel mehr bieten, als ihre Social-Media-Kanäle vermuten lassen. „Das ist schon schwierig, dass man nach solchen Online-Maßstäben bewertet wird.“ So schrumpfen die Chancen für Underground-Bands und kleine Konzerte. Angesichts steigender Ticketpreise und der allgemeinen Inflation geht der Trend eher dahin, für große Konzerte bekannter Künstler:innen zu sparen und auf Club-Konzerte zu verzichten.
Als Berliner Band, die oft in anderen Städten und Kleinstädten in Deutschland auftritt, hat What’s Left Behind auch einen guten Eindruck davon bekommen, wie sich das Berliner Publikum von dem andernorts unterscheidet. „Ich finde schon, dass das Berliner Publikum ein bisschen verwöhnt ist“, gibt René zu, der in der Band Bass spielt. „Wenn wir außerhalb spielen, kriegt man schneller Feedback, und ich finde, die Leute sind auch teilweise leichter zu aktivieren.“ Vielleicht liegt das am Überangebot an Veranstaltungen in der Hauptstadt. Andererseits ist das Berliner Publikum mitunter offener und weniger wertend. Den Anspruch, als Metalband besonders „true“ zu sein, haben What’s Left Behind nicht. „Wir vermitteln ein anderes Feeling – mehr poppig und spaßig. Das kann dem klassischen, stereotypischen Metal-Publikum dann auch manchmal missfallen.“
Das Spring Bash am 24. Mai bietet also die ideale Möglichkeit, sich wieder mit dem Berliner Publikum und der hiesigen Metalszene zu verbinden. Die Band sieht das als gute Gelegenheit, sowohl vor neuen Menschen zu spielen als auch andere Bands kennenzulernen. „Es ist eine Szene-Institution, und da sind tendenziell mehr Menschen, die richtig Bock haben. Das Spring Bash ist schon jetzt eines unserer Highlight-Konzerte dieses Jahr.“
Solche Veranstaltungen bieten also weiterhin Hoffnung für Metalheads, die sehnsüchtig ein zweites Wohnzimmer suchen. Im Cassiopeia kommt die Szene wieder zusammen, lässt die langen Haare fliegen und streckt die Pommesgabel in die Luft. Zwischen Blastbeats und metallischen Gitarrensounds lässt es sich gut abschalten. Man kann nur hoffen, dass diese Orte weiterhin bestehen bleiben – sowohl für die Bands als auch für das Publikum, das der dunklen Musik treu bleibt und auf Live-Musik nicht verzichten will.
Spring Bash im Cassiopeia Revaler Str. 99, Friedrichshain, So 24.5., ab 14 Uhr, Tickets und Infos
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