Das XJAZZ!-Festival 2026 kämpft ums Überleben – und macht einen Weekender daraus

Das XJAZZ! schrumpft 2026 nach ausgebliebener Förderung zum Weekender: Die Geschichte dahinter wirft Fragen über Berlins Kulturförderstruktur auf. Es hätte ein Festival werden sollen, so wie in den Jahren zuvor. Dann blieben die Fördermittel aus – und das XJAZZ! musste innerhalb weniger Wochen entscheiden, ob es 2026 überhaupt stattfindet. Das Ergebnis dieser Entscheidung ist kein Festival im klassischen Sinne, sondern der XJAZZ! Weekender vom 28. bis 31. Mai unter anderem im Festsaal Kreuzberg und der Emmauskirche.
Das 2014 gegründete Festival hat sich als eine der wenigen Berliner Bühnen profiliert, die Jazz konsequent mit elektronischer Musik, Soul und Clubkultur zusammendenken, ohne dabei in Beliebigkeit zu verfallen. Dass es nun in einem Notformat antritt, ist weniger ein künstlerisches Statement als ein Symptom struktureller Probleme in der Berliner Kulturverwaltung. Die zugesagten öffentlichen Gelder wurden nicht rechtzeitig ausgezahlt – die Gründe dafür bleiben in der offiziellen Kommunikation vage.
„Eine komplette Absage hätte das Ende von XJAZZ! bedeutet. Die finanziellen Verluste und der Zusammenbruch der über Jahre aufgebauten Infrastruktur wären nicht zu bewältigen gewesen“
Sebastian Studnitzky, Festivalgründer
Doch statt das seit Jahren existierende Festival abzusagen, haben die Veranstalter das Programm auf das Machbare eingedampft. Den Auftakt gibt am Donnerstag ein Duo-Konzert des Pianisten Kit Downes und der Harfinistin Delphine Joussein in der Emmauskirche – ein intimer Rahmen, der zum Charakter beider Künstler passt. Freitag und Samstag folgen im Festsaal Kreuzberg, wo unter anderem das Moses Yoofee Trio und eine Hommage an den ghanaischen Afrobeat-Pionier Ebo Taylor auf dem Programm stehen. Ergänzt wird das Ganze durch DJ-Sets, ein Takeover von Refuge Worldwide und eine Afterparty. Der Sonntag gibt sich betont reflektiert: Yoga und Meditation in der adidas Sports Base, Brunch, ein Q&A mit dem Festivalteam – und zum Abschluss ein letztes LOVEDANCIN‘ mit Gilles Peterson im Sonnenraum, direkt neben dem Festsaal Kreuzberg auf dem Arena-Gelände.

Dass das eigentliche Festival, gestützt vom Berliner Senat, auf den Herbst 2026 verschoben wurde, ist für die Veranstalter ein Teilerfolg. Die Kulturverwaltung habe die Dringlichkeit erkannt, heißt es – und zugesichert, die Förderung für 2027 bereits im Herbst dieses Jahres zu bestätigen. Ab 2027 soll XJAZZ! wieder im Mai stattfinden.
Was bleibt, ist ein strukturelles Problem, das über dieses eine Festival hinausweist. Internationale Festivals arbeiten mit langen Vorlaufzeiten: Künstlerinnen und Künstler werden Monate im Voraus gebucht, Verträge geschlossen, Logistik geplant. Wenn öffentliche Förderentscheidungen diesen Rhythmus nicht abbilden – oder Auszahlungen ins Stocken geraten –, tragen die Veranstalter das Risiko allein. Das XJAZZ! hat diesmal einen Ausweg gefunden. Im Frühjahr haben wir über die Problematik mit Festivalchef Sebastian Studnitzky gesprochen.