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Nachhilfe für Schüler in Berlin

Nachhilfe
Kaum hat die Schule begonnen, müssen sich Kinder und Eltern auch wieder mit den unangenehmen Seiten des Lernens beschäftigen: mit den Fächern, in denen der Groschen einfach nicht fallen will. Die Ursachen, warum viele Schüler im Laufe ihrer Schulzeit Probleme mit dem Lernstoff bekommen, sind dabei so breit gefächert wie individuell unterschiedlich: Die Kommunikation mit dem Lehrer stimmt nicht, ein Kind erweist sich in bestimmten Fächern als Spätzünder, Stress in der Familie, im Freundeskreis oder durch die Pubertät bringt den Lernrhythmus durcheinander, oder eine Krankheit verhindert den Anschluss an den Unter­richts­stoff. Das Resultat: Verzweifelte Eltern, die sich Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder machen, und ein Haussegen, der zunehmend schiefer hängt.
Keine guten Voraussetzungen, die Lösung der Probleme selbst in die Hand zu nehmen. Denn wenn es bereits massive Lernschwierigkeiten gibt, so zeigt die Erfahrung, macht es wenig Sinn, den eigenen Kindern in der womöglich knappen Familienzeit den Stoff selber eintrichtern zu wollen. Studentische Nachhilfelehrer oder Nachhilfe-Ins­titute sind in der Regel neutraler, der Unterricht entspannter – und wirkungsvoller. Ganz abgesehen davon, dass vielen Eltern mit dem schuli­schen Fortschreiten ihrer Kinder schlichtweg die fachliche Kom­pe­tenz fehlt.
Doch ab wann ist Nachhilfe­unterricht sinnvoll? Marion Lauterbach von der Schülerhilfe, einem alteingesessenen Nachhilfe-Institut mit überregionalen Filialen, ist überzeugt: „Je früher, desto besser.“ Sobald man merke, dass ein Kind Schwierigkeiten in der Schule habe, solle man die Probleme angehen und nicht warten, bis vielleicht die Versetzung gefährdet ist. Denn „je länger man wartet, desto länger dauert es, die Lü­cken wieder aufzuholen“, weiß sie. Außerdem: Je länger der schulische Miss­erfolg bereits anhalte, desto intensiver entwickele ein Kind Schulfrust – keine guten Vo­raussetzungen für einen höheren Abschluss.
Ob man sein Kind in Sachen Nachhilfe lieber von einem über Kleinanzeigen oder Internetbörsen vermittelten, privat angeheuerten Studenten oder von einem Nachhilfe-Institut unterstützen lässt, ist nicht nur eine Temperamentsfrage. So kommt der Student in der Regel ins Haus, die Kosten für den Unterricht sind außerdem frei verhandelbar und beginnen in der Regel ab acht Euro pro Stunde. Mit dem Nachhilfe-­Institut hingegen wird normalerweise ein zeitlich begrenzter Vertrag zu festen Konditionen abgeschlossen, außerdem ist Klein­grup­penunterricht üblich. Das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) in Berlin hat zudem herausgefunden, dass sich bei Nachhilfe durch Studenten die Note des Schülers um genau eine Note verbessert, bei Nachhilfe durch professionelle Institute um 1,3 bis 1,4 Noten.
Mahi Christians-Roshanai, examinierte Lehrerin und Geschäftsführerin der Schülerhilfe Maja in Neukölln, warnt Eltern jedoch davor, mit ihrem Kind auch die el­ter­liche Verantwortung in den Nachhilfe-Instituten abzugeben: „Wichtig für den Erfolg ist die Bereitschaft der Eltern mitzuarbeiten.“ Umgekehrt bietet die Schülerhilfe Maja den Eltern auf Wunsch an, mit Lehrern in Kontakt zu treten, um in Gesprächen die Schwierigkeiten des Kindes einzugrenzen und das weitere Lernvorgehen gemeinsam abzustimmen. Für 7,50 bis 9 Euro Kos­ten pro Nachhilfestunde in Kleingruppen ist dies ein sinnvoller und bezahlbarer Service in einem Bezirk, in dem zahlreiche Migrantenkinder leben und Eltern wegen mangelnder Sprachkenntnisse oft den Kontakt zur Schule scheuen.
Wichtig vor der ersten Nachhilfestunde, ganz gleich, ob sie durch eine Privatperson oder ein Institut durchgeführt wird, ist ein ausführliches Gespräch über die Schulprobleme auf Grundlage der Schulunterlagen. Mahi Christians-Roshanai emp­fiehlt zudem, den Nachhilfeunterricht so anzulegen, dass das Kind nicht nur für die nächste Klassenarbeit paukt, sondern auch selbstständige Lernmethoden einübt. Hechelt ein Kind jedoch permanent und gleich in mehreren Fächern Defiziten hinterher, sollte man nach grundsätzlicheren Lösungen suchen. Vielleicht hilft ein Schulwechsel.
Doch es gibt auch Stimmen, die den Trend zum Nachhilfeunterricht als ein Versagen vor allem der öffentlichen Schulen interpretieren. Denn nur, wessen Eltern überhaupt die Einsicht zum Nachhilfebedarf und das entsprechende Geld dafür hätten, so das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie Berlin, habe die Chance, sich auf die Sprünge helfen zu lassen. Sozial bedingte Bildungs­benachteiligungen würden durch die außerschulische, private Förderung stabilisiert.
Nur einige Vereine, Jugendzentren oder Bibliotheken halten dagegen und bieten zumindest kos­tenlose Hausaufgabenbetreuung an. Gezielte Nachhilfe, vor al­­lem, wenn sie nachhaltige Wissenslücken aus mehreren Jahren ausgleichen soll, ist damit in der Regel zwar nicht zu ersetzen. Doch ein vorbeugender Effekt dürfte der Hausaufgabenbetreuung kaum abzusprechen sein.

Text: Sabine Käsbohrer

Foto: Bernd Schoenberger

Nachhilfe-Institute
Schülerhilfe Maja
Mariendorfer Weg 1, Neukölln,
Mo-Fr 14-18 Uhr,
Tel. 62 84 59 91, www.schülerhilfemaja.de
Am 10.10., 14-18 Uhr, findet hier ein Tag der offenen Tür statt, bei dem es bei Kaffee, Tee und Kuchen um „alles rund um die Schule, Empfehlungen in der 6. Klasse und das Probehalbjahr“ geht.

Schülerhilfe
Tel. 0800-44 100 22 22,

www.schuelerhilfe.de

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Gelsenkirchen existiert seit über 35 Jahren und verfügt über zahlreiche Filialen in vielen deutschen Städten.

Lernwerk
Rothenburgstraße 32,
Steglitz, Tel. 53 00 05-0, www.lernwerk.de
Das Lernwerk unterrichtet in Hermsdorf, Steglitz, Zehlendorf, Wilmersdorf und Potsdam hauptsächlich einzelne Schüler
Intellego
Löwestraße 28, Friedrichshain,
Mo-Fr 10-17 Uhr, Tel. 34 70 20 34, www.intellego.de
Intellego versteht sich nicht nur als
Nachhilfe-, sondern als übergeordnetes Bildungsinstitut, das z.B. auch
Früh-Englisch unterrichtet.

Duden Institut für Lerntherapie
Bouchйstraße 12, Haus 11, Treptow,
Tel. 53 31 18 22, www.duden-institute.de
Beim Duden Institut für Lerntherapie geht es vor allem um – nicht ganz billige – Hilfe bei Rechenschwäche (Dyskalkulie), Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie) und Englisch-Schwäche.

Internetportale
www.nachhilfe.net

www.nachhilfeberlin.com

Hausaufgabenhilfe
Kinderbibliothek/Jugendbibliothek „Hallescher Komet“
(in der Amerika-Gedenkbibliothek), Blücherplatz 1, Kreuzberg, ww.zlb.de/wissensgebiete/kinder_und_jugend/kinder/veranstaltungen
Kostenlose Hausaufgabenhilfe jeden Di+Fr 17-18.30 Uhr für Schüler bis zur 10.
Klasse. Ein ähnliches Angebot halten viele weitere Kinder- und Jugendbiblio-theken in den Bezirken bereit.

Kinder- und Jugendzentrum DIE OASE Wallstraße 43, Mitte, Tel. 24 04 96 45, www.dieoase-berlin.de
Kostenlose Hausaufgabenhilfe Di-Do 15-19 Uhr. Ein ähnliches Angebot findet sich (noch) in vielen anderen Kinder- und Jugendfreizeitzentren der
Bezirke. Allerdings soll bei diesen Einrichtungen demnächst die Sparkeule
geschwungen werden.

 

Kommunale Kinder- und Jugendzentren von Schließung bedroht

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