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Nachwuchsspieler bei Alba Berlin

Basketball_Foto:Jens BergerIn der riesigen Sporthalle tief im Bauch der Max-Schmeling-Halle im Prenzlauer Berg rennen zwei Reihen mit jeweils etwa 20 Mädchen und Jungen von den Längsseiten aufeinander zu. Mit ungestümer Energie versuchen sie, sich gegenseitig Bälle abzujagen. Die Trikots der Sieben- bis Neunjährigen lassen auf anspruchsvolle sportliche Idole schließen.
„Ballack“ steht auf der T-Shirt-Rückenseite eines blonden Kerlchens. Ein anderer trägt ein Hemd, auf dem der Name Ronaldinho prangt. Und ein weiterer outet sich mit seinem Trikot als Fan des japanischen Fußballnationalspielers Hidetoshi Nakata.
Dabei geht es in der Max-Schmeling-Halle heute gar nicht ums Toreschießen oder um Eckbälle. „Hier trainieren unsere kleinsten Nachwuchsspieler“, sagt Henning Harnisch (40), Ex-Basketball-Nationalspieler, Europameister und jetzt Sportdirektor beim Basketball-Bundesligisten Alba Berlin. „Die sind nach Schnuppertrainingsstunden in den Schulferien zu uns gekommen und machen jetzt seit etwa einem Jahr beim Basketballtraining mit.“
Was im Zusammenhang mit anderen Sportvereinen nach Alltag klingt, bedeutet für den aktuellen Deutschen Basketballmeister einen radikalen Strategiewechsel: Bis vor rund drei Jahren überließ Alba Berlin die Nachwuchsförderung im Wesentlichen seinem Kooperationspartner TuS Lichterfelde. Weitab am Rande der Stadt wurden dort hoffnungsvolle Dribbeltalente von Kindesbeinen an aufgebaut, erhielten durch den Lichterfelder Verein – bei Eignung – in der zweiten Bundesliga Spielpraxis. Und starteten, zunächst ausgerüstet mit einer Doppellizenz für Alba und „TuSLi“, bisweilen in eine Profikarriere, die sie manchmal, wie zeitweilig das „Eigengewächs“ Ademola Okulaja, sogar in die stärkste aller Basketball-Ligen führte: die amerikanische NBA.

Hanisch_Foto:Jens BergerSeit aber Henning Harnisch nach seiner aktiven Karriere 2004 erst als Teammanager, dann als Sportdirektor bei Alba Berlin beschäftigt ist, besinnt sich der Basketballverein auf eigene Möglichkeiten, den Nachwuchs zu fördern. Henning Harnisch ist ein Typ, der, anders als der stets gestriegelt wirkende Fußballfunktionär Oliver Bierhoff, eher wie die langgestreckte Version eines hoffnungsvollen, etwas zauseligen Grünen-Abgeordneten rüberkommt. Der Ex-Sportler hat Filmwissenschaft studiert, als Journalist und Dozent gearbeitet und so seinen Blick für Zusammenhänge geschärft: „Mir war aufgefallen, dass es für Kinder und Jugendliche in der östlichen Innenstadt – in Mitte, Prenzlauer Berg oder Friedrichshain – so gut wie keine Gelegenheiten gab, Basketball zu trainieren“, erklärt der gebürtige Marburger, der von 1996 bis 1997 auch mal für den Hauptstadtclub unter den Körben antrat. „Dabei eignen sich gerade Großstadtkinder für Basketball besonders gut. Die sind pfiffig, kreativ und selbstständig. Alles Fähigkeiten, die man auch im Basketball braucht.“
Weil der Vater von zwei Töchtern neben dem Sport auch das sich derzeit stark verändernde Schulsystem stets im Blick hat, drängten sich ihm schnell Lösungen auf: „Die vielen neuen Ganztagsschulen bieten eigentlich ideale Voraussetzungen, individuelle Interessen und Hobbys wie Basketball in den Schulalltag zu integrieren. Das ist für die Kinder, aber auch für berufstätige Eltern, die ihre Kinder nicht mehr zwischen Verein und Schule hin- und herkarren müssten, viel unkomplizierter. Außerdem bekommen alle Kinder vergleichbare Chancen, auch solche Fähigkeiten zu entwickeln, die im eigenen Elternhaus eher kleingeschrieben werden.“

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