Kultur

Neo-analog

Analoge Fotografie

Eine junge Frau Anfang zwanzig fotografiert ihren Freund auf der Kreuzberger Admiralsbrücke. Es ratscht, dann ist es still. „Warte kurz …“ Irgendwann kommt das erlösende „Klick“. Das Scharfstellen dauert halt noch. Aber der Klang ist pure Nostalgie. Junge Leute holen derzeit die analogen Kameras ihrer Eltern und Großeltern von den Speichern oder durchforsten die Flohmärkte. Demonstrativ baumeln die massiven Geräte, die oft älter sind als ihre Nutzer, um den Hals.
In Zeiten, in denen Vintage und Entschleunigung zu Lebensphilosophien werden, kommt dieser Retro-Trend nicht so überraschend. Das lange Warten auf die Entwicklung des bedächtig vollgeknipsten Films tritt an die Stelle der unmittelbaren digitalen Bilderflut. Auch bei Foto Meyer, bekanntes Fachgeschäft für Fotografie in Schöneberg, spürt man die wachsende Nachfrage. Seit letztem Jahr stöbern plötzlich auffallend viele junge Menschen nach gebrauchten analogen Kameras. Die Eltern der Digital Natives spüren indessen eine gewisse Genugtuung: Diesmal sind sie es, deren technisches Wissen gefragt ist – und die etwa erklären können, wie man einen Rollfilm einlegt.

Text: Fabian Herriger

Foto: dom65, Fotolia

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