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Neue Gartenmöbel für den Frühling

Neue Gartenmöbel für den Frühling

Ein altes Bierfass und ein paar umgedrehte Bananenkisten – fertig ist die Sitzmöbelgruppe für draußen. Pah, weit gefehlt! Das hat vielleicht früher gereicht, um eine improvisierte Grillparty im Berliner Hinterhof zu schmeißen. Heute dagegen sind Kleingärten, Terrassen, Balkone und Höfe erweiterte Wohnzimmer, die liebevoll mit Sitzecken, Lampions und sogar Teppichen, Lampen oder Poufs dekoriert werden.
Ein Trend, den der Fachhandel mit Freude verfolgt, denn Garten- und Terrassen­ausstattung, das ist ein millionenschwerer Markt. Laut der Studie „Markt:Monitor Garden-Living 2014“ lag die Pro-Kopf-Ausgabe für sogenannte Garden-Living-Produkte im vergangenen Jahr hierzulande bei 34,27 Euro. Das klingt vielleicht nicht viel, ist aber ein Plus von 31,5 Prozent im Vergleich zu 2005. Bis zum Jahr 2020 könnte der Markt auf bis zu 3,1 Milliarden Euro anwachsen, so die hoffnungsvolle Prognose der Experten.
Genau wie bei Fliesen, Couches oder Tapeten für drinnen werden auch hier alljährlich Trends ausgerufen. Auf der größten Gartenmesse Deutschlands, der Spoga+Gafa im Herbst in Köln, hieß es beispielsweise, Regiestühle würden der letzte Schrei im Sommer 2015 sein, allgemein komme man um die Farbe Lila überhaupt nicht herum, und Retromöbel im 70er-Jahre-Design wie Nierentische und Schaukelstühle gibt es jetzt auch als Outdoor­versionen.
Auch Picknick und Grillen sind mittlerweile hoch technische Angelegenheiten. Miniküchen aus Edelstahl mit allem Schnick­schnack – zum Preis eines Kleinwagens – können da auf die Terrasse gerollt werden. Inzwischen gibt es Grills, die sich per App steuern lassen. Ganz neu ist die Grillschaukel, eine Art überdachte hölzerne Hollywood­schaukel mit Grill. „Das Wohnzimmer wird im Sommer nach draußen verlegt“, sagt auch Veronica Günther von Green Living in Berlin. Wer den Platz hat, stellt sich demnach große Sofalandschaften zum Fläzen auf. „Ansonsten sind Möbel in bunten, fröhlichen Farben in diesem Sommer angesagt“, sagt die Expertin.
„Der Trend der Saison ist die Konzentration auf die Haptik“, erklärt Alexandra Rode vom Stilwerk. Im Outdoor-Bereich sei hier die Kombination mehrerer Materialien angesagt. Das könne zum Beispiel ein Outdoor-Sofa sein, bei dem das Gestell aus robustem Holz mit einer dicken Sofapolsterung aus wasser­abweisen­dem Stoff kombiniert wird.
Berliner allerdings neigen ja dazu, Trends nicht unbedingt hinterherzulaufen. Wichtiger als die Frage, ob ein Sessel aus Leinen oder Bambus gefertigt wurde, ist vielen der Fakt, überhaupt ein lauschiges Plätzchen im Grünen zu haben. Da werden Stühle um den alten Baum im Hof drapiert, Brachen erschlossen, Baumscheiben bepflanzt oder einfach ein paar Möbel und Blumenkübel aufgestellt – fertig ist der Minigarten.

Neue Gartenmöbel für den Frühling

Die schönsten Hofgärten der Stadt zeichnet regelmäßig die Grüne Liga Berlin aus. Auch in diesem Jahr können sich Gartenfans mit ihrer Scholle bei Urbane Paradiese bewerben. Schaut man sich die Preisträger der letzten Jahre an, wird deutlich, dass die meisten Projekte entstanden sind, weil sich Hausbewohner zusammengeschlossen und kurzerhand selbst zu Spaten und Harke gegriffen haben, um sich Grünflächen auf Baulücken, in Vorgärten oder Hinterhöfen zu schaffen.
Wer Inspiration sucht, kann sich beispielhafte Gärten in der Broschüre „Grüne Höfe für ein grünes Klima“ (als PDF verfügbar) ansehen. In der Ernststraße in Baumschulenweg haben da etwa Hausbewohner ihren Innenhof begrünt. Und wenn man den Garten in der Wilhelmshavener Straße in Moabit betrachtet, kann man sich nicht mehr vorstellen, dass der von Schutt und Unrat übersät war, ehe sich eine engagierte Mieterin an die Arbeit machte.
Auch bei Gartenmöbeln entwickeln Enthusiasten viel Kreativität. Bei DaWanda oder auf Blogs wie Urban-­gardening.berlin sieht man, was aus Bauholz, ausrangierten Möbeln, Weinkästen oder Bierfässern alles entstehen kann. Anbieter wie Trouve in Potsdam haben sich darauf verlegt, gebrauchte Gartenmöbel und Accessoires wie Beton­kübel, metallene Gartenbänke und verrostete Gießkannen zu verkaufen, die man gut aufarbeiten oder dekorativ hin­stellen kann. Denn edle Sofa­landschaft hin und trendiger Sonnenschirm her – am Ende geht es nicht darum, Hof oder Garten perfekt einzurichten: Gemütlich zusammensitzen kann man schließlich auch auf Bananenkisten.

Text: Cornelia Wolter

Foto: Veronique Vedrenne Fermob

Läden und Webshops

Room Garden Berlin vertreibt Holz- und Eisenmöbel für draußen. Fidicinstraße 40, Kreuzberg, ?www.room-garden.de

Kreuzberger Kisten bastelt Möbel und Minibeete aus alten Weinkisten.?Ritterstraße 2?a, Kreuzberg, ?Tel. 208 48 84 70, ?www.weinkisten24.de

Beton to be macht maßgefertigte Produkte, Preise auf Anfrage. ?Kaskelstraße 55, Lichtenberg, ?Tel. 55 15 35 34, www.beton-to-be.de

Rephormhaus (früher Stadtbedarf) vertreibt im Webshop Produkte von Berliner Designern. www.rephormhaus.de

Trouve verkauft gebrauchte Stühle, Kübel, Kannen u.?v.?m. ?Jägerstraße 30, Potsdam, ?Tel. 0331-97 93 19 42, www.trouve.de

Dawanda bietet Selbstgemachtes von Laien und Profis. www.dawanda.com

Schöner Wär’s, wenn’s schöner wär – ökologische und originelle Dinge. ?Oranienstraße 58?a, Kreuzberg, shop.schoener-waers.de

Stilwerk – hier finden Ästheten Erlesenes, auch für draußen. Kantstraße 7, Charlottenburg, www.stilwerk.de

Grüne Liga Berlin
stellt städtische Garten­projekte vor. Prenzlauer Allee 8, Prenzlauer Berg, Tel. 443 39 10, ?www.grueneliga-berlin.de 

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