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Nico and the Navigators zeigen „Anaesthesia“ im Radialsystem


Als die Berliner Performergruppe Nico and the Navigators ihr neues Stück „Anaesthesia“ bei den Händelfestspielen Halle zeigten, schwärmte die Fachzeitschrift „Opernwelt“ von der „frischen Neugier“ und der „intelligenten Durchmischung von Tanz, Erzählung, Schauspiel, Gesang und mehr oder weniger schrägen Bearbeitungen von 32 Händel-Hits“, mit der Nico and the Navigators Händel zum 250. Todestag eine Barock-Performance bescher­ten. „Bei aller Verrücktheit ist das von einer Ernsthaftigkeit erfüllt, die Händels Mikrokosmos und das widersprüchliche Wesen seiner Ära genauer trifft, als alle kalauernde Pop-Komik“, stellt der Kritiker der „Opernwelt“ schwer angetan fest. Jetzt kommt das gefeierte Stück ins Radialsystem, wo man seit Jahren mit solchen Misch­formen ein ganz eigenes Genre pflegt.

Als die Händelfestspiele Nico Hümpel, die Regisseurin und Grün­derin von Nico and the Navigators, fragen, ob sie nicht Lust hätte, etwas mit Musik von Händel zu machen, fing sie erst einmal an, ausgiebig zu Händels Lebenszeit zu recherchieren. „Das war kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg und der Pestzeit“, sagt die Regisseurin. „Die Kultur der rauschhaften Feste, der Kastratengesang, das Rauchen von Opium, das sich damals verbreitet, die Ornamentik in der Architektur, diese ganze Kultur des Rausches muss man vor diesem Hintergrund sehen. In dieser Zeit ist auch der höfische Tanz entstanden.“ Genau dieses Ineinander von Festkultur und Katastrophenbewusstsein interessiert die Regisseurin: „Was hat die Menschen bewegt? Das wollten wir zeigen. Wir wollten uns in diese Welt, in diese sehr besondere Atmosphäre hineinbegeben. Wir wollten auf keinen Fall Händel modernisierten und die Leute in irgendeine modernistische Lounge setzen oder sie in historischen Kostümen aus dem 18. Jahrhundert auftreten lassen.“
Für ihre Auseinandersetzung mit Händel haben die Navigators – drei Sänger, sechs Performer und Schauspieler, ein Akrobat, eine Tänzerin – gemeinsam mit den Musikern der Musicbanda Franui eine ganz eigene Form entwi­ckelt: Eine Pasticcio-Oper, die Stücke aus dem gewaltigen Opern- und Oratorienwerk Georg Friedrich Händels lose verknüpft – nicht zu einer durchgehenden Erzählung, sondern zu einem Musik- und Bildertheater. Die Produktion ist für frei produziertes Theater enorm aufwendig – und ein Glücksfall für Liebhaber der Barockmusik.

Text: Peter Laudenbach / Foto: Antonella Travascio

Termine: Anaesthesia
im Radialsystem, Wiederaufnahme: Di 2.3., 20 Uhr

Theater & Bühnen von A-Z in Berlin

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