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Offene Ateliers im Atelierhaus Prenzlauer Promenade

Gebaeude_Akademie_der_Wissenschaften_Prenzlauer_Promenade_c_ConstanzeSuhrNeuerdings überlegen sich Künstler dreimal, ob sie ihre Ateliers für Besucher öffnen – nicht selten finden sich nämlich in letzter Zeit neben Kunstinteressierten auch Investoren ein, die in Gegenwart der Künstler die Räumlichkeiten auf Loftqualität prüfen. Das dürfte allerdings im Atelierhaus an der Prenzlauer Promenade kein Thema sein. Doch nicht etwa, weil es sich bei dem Gebäude aus den 1980er-Jahren, ehemals von der Akademie der Wissenschaften der DDR genutzt, um einen unattraktiven Plattenbau handelt, der außerhalb des S-Bahn-Rings steht.

Das schon über fünf Jahre zunehmend mit Ateliers belegte Gebäude an der lauten Autopromenade befindet sich von Berlin-Mitte aus betrachtet ziemlich weit draußen. Aber da für nicht finanzkräftige Mieter in der Innenstadt kein Platz ist, sollen die Künstler für diese nun die Platte frei machen. Es scheint, als würden die Schwächsten im Getriebe gegeneinander ausgespielt. Während Ende Oktober Aktivisten der Grünen am S-Bahnhof Pankow Flugblätter verteilten, um zu verhindern, dass Möbel Krieger auf dem von ihm erworbenen ehemaligen Rangierbahnhof Pankow ein riesiges Einkaufszentrum mit Möbelpalast baut, hatten die Künstlerinnen und Künstler im nicht weit entfernten Atelierhaus die Presse zum Gespräch geladen, um ihr Dilemma vorzutragen: Das Grundstück solle künftig für den städtischen Wohnungsbau genutzt werden, meldete der landeseigene Liegenschaftsfonds, der um die 3?000 Quadratmeter treuhänderisch zur Zwischennutzung an Künstler und Gewerbe vermietet hat.

Als besonders günstig sind die Ateliers mit inzwischen fast sieben Euro warm nicht zu bezeichnen. Trotzdem wollen die um die 60 Künstlerinnen und Künstler unbedingt bleiben, denn es ist in Berlin mittlerweile kaum noch möglich, selbst zu diesem Preis auf dem freien Markt ein Atelier zu finden. Sie fordern nun, unterstützt vom Pankower Kulturstadtrat, dem Bundesverband Bildender Künstler und Künstlerinnen sowie der Kunsthochschule Weißensee, den Senat auf, den Verkauf zunächst auszusetzen. Sie würden das Gebäude gern zu einem Kunst- und Kulturzentrum ausbauen, in dem ein Mischkonzept mit Wohnungen möglich wäre. Am Samstag öffnen nun um die 25 Künstlerinnen und Künstler an der Prenzlauer Promenade ihre Ateliers für Besucher. Eine bezirklich organisierte Kunst-Veranstaltung von Prenzlauer Berg bis Weißensee wie noch 2011 die „p.art“ kann sich Pankow inzwischen nicht mehr leisten.

Text/Foto: Constanze Suhr

Gemischte Platte Offene Ateliers im Atelierhaus Prenzlauer Promenade 149–152, Pankow, Di 27.11., 15–19 Uhr ;Führungen 15–18 Uhr, jeweils zur vollen Stunde

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