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Ole Bested Hensing über den Umbau der ­Berliner Bäderbetriebe

Foto: Elke A. Jung-Wolff

Ole Bested ­Hensing ist s eit Mai 2013 Vorstands­vorsitzender der
Berliner Wasser­betriebe, davor u. a. Chef der Tropical Islands sowie
der Oranienburger Turm-Erlebniscity. Foto: Elke A. Jung-Wolff

Herr Hensing, am 3. Mai wird im Prinzenbad und im Olympiabad die Freibadsaison eröffnet. Die neuen Eintrittspreise werden sicherlich für die ein oder andere hitzige Diskussion an den Kassen sorgen. Wie bereiten Sie Ihre Mitarbeiter darauf vor?
Unsere Mitarbeiter werden regelmäßig geschult, speziell die Kassenkräfte. Sie wissen, was die Eintrittskarten kosten. Die Änderungen stehen ja auch schon seit einem halben Jahr fest, wir sind also gut vorbereitet.

In den Hallenbädern konnte man in den letzten Monaten immer wieder miter­leben, wie Gäste sich lautstark darüber ärgerten, dass sie nun 5,50 Euro zahlen sollen.
So dramatisch haben wir das nicht erlebt. Wir haben die Preise ja nicht flächendeckend erhöht. Die neuen Tarife sollen vielmehr zu einer besseren Verteilung der Nutzung über den Tag führen. Für viele Gruppen ist der Eintritt billiger geworden: An Werktagen kostet der ermäßigte Eintritt in der Zeit von 10 bis 15 Uhr jetzt nur noch zwei Euro. Die berufstätigen Sportschwimmer freuen sich, dass die Hallen morgens jetzt leerer sind, und zahlen dafür auch gerne ein bisschen mehr.  

In München kostet eine Karte für das Freibad 4,10 Euro, in Köln 4,20 Euro. Warum ist das Badengehen in Berlin teurer als in anderen deutschen Großstädten?
Die Berliner Bäderbetriebe müssen ja irgendwie versuchen, ihre Kosten zu decken. Nur 20 Prozent unserer Ausgaben kommen durch die Einnahmen an den Kassen wieder herein. Dieser Anteil ist in anderen Städten deutlich höher, er liegt zum Teil bei über 60 Prozent. Städte wie München oder Köln haben eine andere Bäderstruktur. Während wir hier hauptsächlich über Sportschwimmstätten verfügen, sind die Bäder dort breiter aufgestellt und erlauben in höherem Maße eine entspannte, freizeitorientierte Nutzung. Deshalb haben sie auch eine höhere Besucherfrequenz.

Der Berliner geht im Jahr durchschnittlich 1,7-mal ins Schwimmbad. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 2,9-mal. Sind die Berliner so faul oder ist das Angebot so schlecht?
Die Anlagen, die wir haben, sind zu einseitig ausgerichtet. Wir haben zwar ein Wellenbad und zwei freizeitorientierte Bäder, aber die meisten Einrichtungen sind doch sehr puristisch. Man kann dort eigentlich nur Bahnen ziehen. Insgesamt haben die Sportschwimmer aber nur einen Anteil von 25 Prozent. Rund 60 Prozent der Besucher gehen aber in die Bäder, weil sie sich erholen möchten. Die Bäderstruktur, die wir hier im Augenblick haben, wird diesen Ansprüchen nicht gerecht. In anderen Städten hat man früher erkannt, dass man die Leute nicht dazu zwingen kann, Sport zu machen.

Ihr Unternehmen ist für den Betrieb von 63 Bädern verantwortlich. Gibt es in Berlin ein Überangebot?
Da liegen wir eher im Mittelfeld. In Berlin gibt es weder zu viele noch zu wenig Bäder. Unsere Wasserflächen sind durchaus vergleichbar mit denen in anderen Städten. Sie werden nur weniger genutzt. Das wollen wir in den nächsten Jahren ändern.

Haben Sie da ein konkretes Ziel?
Ja, das Ziel liegt bei einem Schnitt von 2,2 Besuchen pro Jahr. Wenn wir diese Steigerung erreichen, sind wir über die nächsten Jahre abgesichert.

Um herauszufinden, was die Berliner von den Bäderbetrieben erwarten, haben Sie eine umfassende Studie in Auftrag gegeben. Was ist dabei herausgekommen?
Interessant ist zum Beispiel, dass die Berliner keine reinen Spaßbäder möchten. Das kommt uns natürlich entgegen, da es nicht unserem Grundversorgungsauftrag entspräche, Spaßbäder zu bauen. Was sie möchten, ist ein erweitertes, freizeitorientiertes Angebot, das aber sportgerecht bleibt. Momentan laden unsere Bäder nicht dazu ein, sich länger aufzuhalten, und sie animieren Familien mit Kindern auch nicht in ausreichendem Maße, zu uns zu kommen. Wir haben zu viele Einzelstandorte mit zu kurzer Verweil­dauer und zu geringem Besucheraufkommen. Da rechnet es sich oft nicht, einen Shop oder eine Gastronomie zu betreiben. Wenn Sie ein 50-Meter-Sportbecken, einen freizeitorientierten Bereich und einen Außenbereich an einem Standort haben, lassen sich die Teilbereiche besser kombinieren: Die Eltern können sportlich schwimmen, die Kinder können planschen, und dann kann man vielleicht noch gemeinsam was essen.

Weiterlesen: Berlins Freibäder sind eine überaus erfrischende Angelegenheit. Fast jeder Bezirk hat ein Sommerbad oder einen See für die warme Jahreszeit.

Gibt es in der bestehenden Landschaft ein Bad, das Ihren Ansprüchen entspricht?
Nicht wirklich. Das Bad am Spreewaldplatz zum Beispiel bietet zwar Sport und Erholung zugleich und ist auch sehr gut besucht, doch die ganze Anlage ist leider ein wenig in die Jahre gekommen. Ein Bad muss laufend instand gehalten werden, sonst verliert es an Attraktivität. Leider wird in Berlin oft so lange gewartet, bis es gar nicht mehr geht, und dann wird die Sanierung richtig teuer, manchmal sogar teurer als ein Neubau.

Wie marode sind die Berliner Bäder?
Der Sanierungsrückstau liegt bei 88 Millionen Euro. Diese Ausgaben sind zwingend notwendig, um die Bäder technisch in Betrieb zu halten. Allein in der SSE an der Landsberger Allee, unserem neuesten Bad, haben wir einen Bedarf von 10 Millionen Euro. Wenn wir dieses Geld investieren, merken Sie das noch nicht mal. Und wenn wir sämtliche Bäder auf den neuesten Stand bringen wollten, würde uns das noch mal 300 Millionen kosten. Wir gehen aber nicht davon aus, dass das Land Berlin bereit sein wird, 388 Millionen aufzubringen, um die gesamte Bäderlandschaft zu modernisieren. Deshalb haben wir uns etwas Neues einfallen lassen. Wo die Sanierung am teuersten ist, wollen wir Neubauten errichten, die dauerhaft günstiger zu betreiben sind. So gewinnen wir an Attraktivität, ohne dass wir die ortsnahe Versorgung einschränken müssen.

Wann waren Sie zuletzt schwimmen?
Vor zwei Wochen, das war allerdings nicht in Berlin. Hier gehe ich eigentlich nur in der Sommersaison schwimmen, und zwar am liebsten in einem unserer Naturbäder – mit möglichst warmem Wasser und in einer schönen Umgebung.

Interview: Heiko Zwirner

Fotos: Elke A. Jung-Wolff

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