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Staatsoper am Flughafen Tempelhof: Puccini im Pop-up-Autokino

Den Flughafen Tempelhof nimmt man derzeit eher als Impfzentrum wahr. Und Goldgräberstimmung? Herrscht vornehmlich bei Corona-Schnelltestzentren. Um einen großen Goldrausch geht es aber auch in Giacomo Puccinis „La fanciulla del West“. Erstmals zeigt die Staatsoper das vernachlässigte Wild-West-Stück. Und zusehen kann man live im Autokino: Die Oper wird auf dem Vorfeld des ehemaligen Flughafens Tempelhof übertragen.

Im Saal wird die Neuproduktion vor reduziertem Publikum gegeben. Und am Flughafen Tempelhof ist Puccinis Musiktheater im Autokino der Staatsoper zu sehen. Foto: Martin Sigmund

Gold- und Liebesrausch in Kalifornien, aber in Tempelhof

Kalifornien, zu Hochzeiten des Goldrausches Mitte des 19. Jahrhunderts: In den Siedlungen in der Ödnis lockt der große Reichtum, aber Recht und Ordnung sucht man vergeblich. Hundderttausende begaben sich auf den Weg nach Westen, undd statt gut sortierter staatlicher Strukturen galt hier allenfalls das Wort des Sheriffs, meist aber das Recht des Stärkeren. Hier siedelt Giacomo Puccini sein „La fanciulla del West“, das Mädchen aus dem Westen, an.

Fixstern in diesem Kosmos ist die Kneipe Polka, in der die Goldgräber nach der Wirtin dürsten: Minnie hält den ganzen Laden zusammen. Auch der Sheriff verehrt sie, aber sie verliebt sich Hals über Kopf in einen geheimnisvollen Fremden. Als dieser sich als gesuchter Räuber entpuppt, gerät die Welt aus den Fugen.

Puccinis Oper ist selten an deutschen Häusern zu sehen. „La fanciulla del West“ steht im Schatten der großen Opern „La Bohème“, „Madama Butterfly“ und „Turandot“. Bei seiner 1910 in New York uraufgeführten Oper legte der Komponist weniger wert auf eingängige Melodien und Arien für die Ewigkeit, dafür auf raffinierte Partien und die Charakterzeichnungen seiner Außenseiterfiguren.

Wild-West-Kulisse in der Staatsopern-Inszenierung von „La fanciulla del West.“ Foto: Martin Sigmund

Die Staatsoper Unter den Linden zeigt die Oper zum ersten Mal. Der Abend wird inszeniert von Lydia Steier, die ihr Debüt an der Staatsoper gibt. Es spielt die Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Antonio Pappano, designierter Chefdirigent des London Symphony Orchestra, auf der Bühne stehen Anja Kampe (Minnie), Marcelo Álvarez (als Räuber Dick Johnson) und Michael Volle (Sheriff Jack Rance). 

Premiere im Saal der Staatsoper und im Autokino

Der ausverkaufte Premierenabend findet am 13. Juni vor einem reduzierten Publikum im Saal der Staatsoper Unter den Linden statt. Eine Chance, doch noch dabei zu sein, gibt es aber trotzdem: Auf dem Vorfeld des Flughafens Tempelhof wird „La fanciulla del West“ auf einer riesigen Leinwand übertragen. Pop-up-Autokino, Puccini mit dem Porsche also. Die Tickets kosten 38 Euro, das Rollfeld bietet Platz für rund 400 Wagen. Die Menschen, die man sonst so auf dem Tempelhofer Feld trifft, dürften sich wundern.

„Will ich mein Auto zurück?“, diese Frage stellte Erik Heier sich schon vergangenes Jahr angesichts von Isolation, Ausflugsplänen und Autokino-Boom. Die Staatsoper Unter den Linden weiß um die Fahrradaffinität der Menschen in der Stadt. Beim Ticketkauf erhält man daher die Möglichkeit, für den Abend einen Wagen zu reduzierten Preisen zu mieten. Ob das Autokino am Flughafen Tempelhof nun eine Dauereinrichtung wird? Unwahrscheinlich. Nach der Premiere finden die nächsten Spieltermine von „La fianculla del West“ ausschließlich im Saal statt.

  • Staatsoper Unter den Linden, Mitte, Tickets für die Autokino-Vorführung von „La fianculla del west“ am 13.6., 19 Uhr, kosten 38 Euro, Tel. 030/20 35 45 55, www.staatsoper-berlin.de, weitere Termine: 16., 19., 24. + 27.6., 3.7.

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