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Ostzeit im Haus der Kulturen der Welt

OstzeitDie ungeschönten und sensiblen Bilder, die ältesten sind von 1972, beleuchten das Alltagsleben einfacher Bürger der Republik. Sie werfen einen authentischen Blick zurück in ein Land, das nicht mehr existiert, aber in diesen Bildern konserviert wurde. Im Mit­telpunkt stehen die Arbeiten von vier der bekanntesten ostdeutschen Fotografen und Gründer der Fotoagentur Ostkreuz, Sibylle Bergemann, Ute Mahler, Harald Hauswald, Werner Mahler, und des Franzosen Maurice Weiss. Ein besonderes Merkmal der DDR-Fotografie war der einzigartige moralische Ehrgeiz beim Bildermachen. Ausstellungen wurden als rauschende Feste gefeiert, und das Publikum hungerte nach Abbildern ungeschminkter Wahrheit. So bringt die Serie „Am Rande der Republik“ des vom DDR-Staat als „dissidentisch“ geschmähten Fotografen Harald Hauswald Zustände ans Licht, von denen die offiziellen Medien die Finger ließen: Ostpunks, Rockmusiker in der Berliner Gethsemane-Kirche oder Fahnenkämpfer im Regensturm am Alexanderplatz. Von Sibylle Bergemann ausgestellt sind die mehrfach ausgezeichnete Dokumentation über die Entstehung und Montage des Marx-Engels-Denkmals und einige Arbeiten der Künstlerin, die bisher noch nicht gezeigt wurden, wie die konzeptuelle Serie „P2“ über einen Plattenbau-Wohnungstyp. Von Werner Mahler zu sehen sind die faszinierende Bevölkerungsstudie über das kleine thüringische Dorf Berka und die Fotoserie „Abiturienten“ eines ehemaligen Schuljahrgangs, den Mahler von 1978 bis heute mit der Kamera begleitet hat. Ute Mahler ist vertreten mit Modeaufnahmen für die damalige Kult-Modezeitschrift „Sybille“ und mit der sensiblen Porträtreihe „Zusammen leben“. Einen Außenblick auf die Stunden und Tage nach dem Mauerfall wer­fen die Arbeiten von Maurice Weiss. Außerdem zu sehen: eine dokumentarische Videoarbeit und einige DDR-Publikationen, in denen Fotografen veröffentlichten, wie die Zeitschrift „Fotografie“ oder „Das Magazin“.

Text: Laila Niklaus
Foto: Werner Mahler/Ostkreuz

(tip-Bewertung: Sehenswert )

Ostzeit — Geschichten aus einem vergangenen Land


Haus der Kulturen der Welt
, (Adresse/Googlemap), Mo-So 10-19 Uhr, bis 13.9.2009

OSTZEIT: ÜBERBLICK UND BILDERGALERIE

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