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Peter Laudenbach über Angestellten­theater

Peter Laudenbach über Angestellten­theater

Wer den Schauspieler Jürgen Holtz einmal gesehen hat, vergisst dieses Gesicht und sein Spiel nicht mehr. Es ist von enormer Härte und Entschlossenheit und trotzdem empfindlich, nie verpanzert. Ein 82-Jähriger, der sich im Spiel wundern oder freuen kann wie ein Kind. Ein Schauspieler von großem Eigensinn, das Gegenteil eines Darstellungsbeamten. Holtz gibt selten Interviews, für die Spiele des Selbstmarketings dürfte er nur Verachtung übrighaben.
Jetzt hat er der immer lesenswerten Zeitschrift „Lettre International“ in einem langen Gespräch Auskünfte über sein Verständnis des Berufs, über seine Arbeiten mit Heiner Müller und Einar Schleef, über das Theater gegeben: „Es findet alles im Kopf des Zuschauers statt, und nicht auf der Bühne.“ Vorausgesetzt auf der Bühne geschieht etwas, worüber nachzudenken sich lohnt. „Theater wird auf einen Gefühls­inhalt geschrumpft und ist nicht etwas, was sich denken lässt“, beobachtet und kritisiert Holtz.
Seine Diagnose eines harmlosen Theaters, das sich zum Dienstleister für Abendunterhaltung degradiert, ist hart und leider treffend: „Wir leben in einer Angestelltenwelt und in einem Angestelltentheater, das keine Vergangenheit und keine Zukunft mehr kennt. In der Angestelltenwelt stört keiner mehr. Ein schrecklicher Zustand.“ Ausnahmen von Fritsch bis Vinge bis Pollesch bestätigen die Regel.

Lettre International Azsgabe 106, 146 Seiten, 13,90 Euro

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