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„Picturing America“ – Fotorealismus der 70er Jahre

Foto: Charles BellGlänzend polierte Karosserien, glitzerndes Schuhwerk vom Feins­­­­­ten, reflektierende Schaufenster, prall und bunt leuchtende Bubble-Gums, chromfunkelnde Telefonzellen – New York Ende der 60er Jahre, eingefangen in detailgetreu­em Pinselstrich nach Fotovorlage. Abbildungen visuell überladener Großstadtkulissen und einer farbenfrohen Warenwelt zeigen mit dem Finger auf die Statussym­bole jener Zeit Ende der 60er bis Mitte der 70er Jahre mit dem Hintergrund eines bröckelnden heilen Weltbildes.
Fahrzeuge und Fast Food, Sinn­­­bild für US-amerikanische Be­quem­­lichkeit und Freiheitsstreben, aber auch der soziale Abstieg, widergespiegelt in Autowracks und heruntergekommenen Mobilheimen, waren die Themen der vom New Yorker Kunsthändler Louis K. Meisel als Fotorealis­ten bezeichneten Künstler. Die neuen Realisten wiesen auf eine sich immer weiter verbreitende visuelle Wahrnehmung hin, die durch die überall präsenten Bilder von Werbung, Film und Fernsehen geprägt war: den sogenannten fotografischen Blick. Die Medienwelt gehörte inzwischen zur Wirklichkeit wie natürliche Phänomene. Bei der Herstellung ihrer Abbilder einer postmodernen Szenerie schafften sich die Hyperrealisten durch die zeitraubenden, durchkalkulierten Malverfahren automatisch emotionale Distanz zum Gegenstand. So hielten die Wegbereiter für großformatige Fotografie und Graffiti „Hand und Herz im Zaum“. Die überlebensgroßen Porträts von Chuck Close, übernatürlich Glänzendes von Estes, Staiger und Eddy, dazu die umwerfend lebensechten Skulpturen Duane Hansons sorgten neben performativen künstlerischen Provokationen 1972 auf der Documenta 5 in Kassel für reichlich Debattierstoff.

Text: Constanze Suhr

Foto: Charles Bell

tip-Bewertung: Sehenswert

Picturing America. Fotorealismus der 70er Jahre, Deutsche Guggenheim, Fr-Mi 10-20 Uhr, Do 10-22 Uhr, bis 10.5.2009

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