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Klassiker

„Prinz Friedrich von Homburg“ am Berliner Ensemble

Claus Peymann verabschiedet sich mit Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“ vom Berliner Ensemble

© Monika Rittershaus

„There’s a million ways to go“, wird Cat Stevens kurz vor Ende des Abends aus dem Off singen, aber Regis­seur Claus Peymann hat sich und sein Ensemble eben auf nur einen dieser Million möglicher Wege eingeschworen: textlinientreu bis einfallslos – fast. Wer den genialen Text kennt, wird nur in der letzten Minute was erleben.
Nach 18 Jahren Intendanz am Berliner Ensemble (die im Sommer enden), bringt Peymann seinen dritten Kleist auf die Bühne, auf eine von Achim Freyer seelenlos aufgestellte Holzhalbkugel, die sich allerdings nicht nur zum Runterrutschen eignet, sondern dem Homburg-Prinzen (Lichtblick, aber einsam gran­dios: Sabin Tambrea) tatsächlich zwei atemraubende Auftritte ermöglicht, zu Beginn und ganz am Schluss – wenn er, der Tagträumer, spektakulär auf dem Hochseil schlafwandelt, das, neongrün leuchtend, wie ein Laserstrahl anmutet.
Bei der Schlacht der Preußen (banal tönen Pferdegetrappel und Kanonendonner im Hintergrund) gegen die Schweden lässt Homburg seine Truppen früh losstürmen, was den Preußen den Sieg beschert – allerdings gegen die nachdrückliche ­Order des Kurfürsten ist, weshalb man Homburg zum Tode verurteilt.
Wie kann ein Machthaber ein Gerichtsurteil aushebeln? Spannende Frage, aber Peymann interessiert es offenbar mehr, den Text altväterlich aufsagen zu lassen. Er, der vor 18 Jahren angetreten war, „Reißzahn im Arsch der Mächtigen“ zu sein, liefert doch bloß eine milde Darmspülung.

Berliner Ensemble Fr 24.2., 20 Uhr, So 26.2., 18 Uhr, Do 9.3., 19.30 Uhr, Eintritt 5–30, erm. 9 €

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