• Kultur
  • Elternsprecher: Privatinitiative Nachhilfe

Kultur

Elternsprecher: Privatinitiative Nachhilfe

Nachhilfe
Rund eine Million Schüler erhalten in der Bundesrepublik derzeit von den Eltern organisierte, private Nachhilfe. Das ist jeder achte bis zehnte Schüler, im Sekundarbereich ist es sogar jeder vierte, Tendenz steigend. Dies hat jedenfalls das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) in Berlin 2008 ermittelt. Dabei sind es im Wesentlichen die Kinder aus bildungsnahen Elternhäusern, denen per Zusatzunterricht auf die Sprünge geholfen wird. Für das öffentliche Schulsystem in Deutschland sind diese Forschungsergebnisse eine glatte Ohrfeige. Schließlich bedeuten sie, dass zum einen die Schulen kaum mehr in der Lage sind, die Kinder ohne Zusatzinitiative den Bildungszielen näher zu bringen.
Zum anderen wächst für die Schulen die Versuchung, sich auf dem privaten Engagement der Eltern auszuruhen. Ganz nach dem Motto: „Was sollen wir den Unterricht verbessern oder mehr Förderstunden einführen, wenn es noch genügend Kinder gibt, die den Stoff auch so wuppen?“ „Auch so“ meint: mit privater Nachhilfe. Das Nachsehen haben die Kinder aus bildungsfernen Haushalten. Denn während bildungsferne Eltern, besonders von Ganztagsschülern, aus berechtigten Gründen darauf bauen, dass ihr Nachwuchs in seiner Lehranstalt vernünftig lesen, schreiben und rechnen
lernt, wissen es „schlaue Eltern“ längst besser. Weil es nun mal um die eigenen Kinder geht, greifen Letztere tief in die Tasche und investieren, so das FiBS, rund 1500 Euro pro Jahr und Nachhilfeschüler in die Zukunft ihrer Kids. Sie bezahlen außerdem noch den abendlichen Schwimmkurs, weil das Schulschwimmen viel zu oft ausfällt, schicken ihre Kinder in den Ferien in teure Sprach-Camps und sorgen dafür, dass sie ein Musikinstrument lernen. Kinder aus bildungsfernen Haushalten dagegen sehen dann schnell ziemlich doof aus. Das ist nicht ihre Schuld. Es ist die Schuld einer Bundesregierung, die sich immer mehr aus ihrer Verantwortung stiehlt.

Text: Eva Abraku

Foto: Claudia Hautumm (pixelio.de)

 

Namenstag

Flugangst

Lernmittelfreiheit

Ständig erreichbar

AUSWEITUNG DER KAMPFZONE

AKADEMISCHER NACHWUCHS

BILDUNG IM LOTTO-PRINZIP

REFORMITIS

DAS NEUE ELTERNMAGAZIN NIDO

MUSIK IN NEUKÖLLN

 

Mehr über Cookies erfahren