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Produktdesigner Werner Aisslinger im Gespräch

Foto: haus am WaldseeHerr Aisslinger, Ihre Ausstellung heißt „Home of the Future“. Wie stellen Sie sich die Zukunft des Wohnens vor?
Auf jeden Fall nicht in Form von spacigen Raumschiffküchen, Sofas oder Coffee Tables, die man eh schon aus allen Designkatalogen kennt. In der Ausstellung geht es eher darum, Visionen und Utopien zu zeigen.

Wie Ihr 2007 entworfener „Loftcube“??
Ja, der wird dort auch im Museumspark stehen. Der Loftcube war ein Selbstläufer, der eine Welle in der transportablen Architektur losgetreten hat. Die Idee basiert auf einem Schneckenhaus, das moderne Nomaden überall mit hinnehmen können – ob nach London oder Amsterdam. Der Cube besteht aus mobilen Einzelelementen, die man auf jedem Flachdach aufstellen kann. Leider ist es baurechtlich nicht so einfach, damit Großstadtdächer zu besiedeln. Die Lösung solch rechtlicher Fragen ist bei der Ideenfindung aber erst mal zweitrangig.

Stellen Sie auch neue Produkte vor?
Ja, in der Ausstellung zeigen wir eine Mischung aus bekannten und neuen Objekten. Neu ist eine Installation, die „Production Kitchen“, in der wir das Konzept des Aquaponic erklären. Das ist ein biologischer Wasserkreislauf, in dem Pflanzen von Fischen gedüngt werden. Ein weiteres Thema sind Nebelfängerstoffe, mit denen man Trinkwasser aus der Luft gewinnt. Wir zeigen eine textile Bad-Installa­tion, in der solche Stoffe eingesetzt werden, beispielsweise in der Duschkabine. Damit kann man Pflanzen bewässern. Das Bad wird so zu einem Naturbiotop.

LoftcubeNatur und Design – ist das ein Kennzeichen Ihrer Arbeit??
Das ist ein wichtiger Aspekt, den wir auch schon bei unserer „Chair Farm“ verfolgt haben. Sie wird auch in der Ausstellung zu sehen sein. Das ist eine Art Gewächshaus, in dem man Stühle anpflanzen kann. Die Chair Farm besteht aus einem Metallgerippe, in dessen Stuhl-Form Pflanzen hineinwachsen. Alle schnell wachsenden Arten sind dafür geeignet: Wir nehmen Weiden, in Asien würde man dafür Bambus nehmen. Damit könnte man Stühle wie in einer Plantage anbauen.

Vor zwei Jahren stellten Sie mit Ihrem „Hemp Chair“ auch schon ein nachhaltiges Konzept vor. Zeigen Sie den auch??
Ja, den stellen wir auch aus. Dieser Monoblock-Stuhl ist aus Holzresten, Stroh oder Hanf gefertigt, deshalb der Name Hemp Chair. Während man normalerweise Kunststoff für solche Stühle verwendet, benutzen wir ökologische oder recycelte Materialien, die unter hohem Druck und großer Hitze verdichtet werden. Sie sind genauso stabil wie Kunststoff.

Was ist die Quintessenz Ihrer Ausstellung?
Ich möchte Denkanstöße geben. Wenn man als Designer immer nur sagt: „Gelb ist schöner als Rot“, hält man seinen Job relativ flach. Design ist für mich erst dann spannend, wenn neue Produktions­methoden und Materialien ins Spiel kommen.

Interview: Wolfgang Altmann

Fotos: Haus am Waldsee

Werner Aisslinger – Home of the future Haus am Waldsee, Argentinische Allee 30, Steglitz-Zehlendorf, www.hausamwaldsee.de, 21.4.–9.6.

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