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Prominente Kinderbuchautoren

Bruno - Der Junge mit den grünen Haaren
Bruno ist ein frecher Junge ohne Lust auf Körperhygiene. Als er ein Stück Seife findet, färbt er sich damit die Haare grün. Die Eltern kriegen die Krise, die Mitschüler finden’s cool, die Seifenhersteller wollen Bruno zur Werbefigur machen. Doch einmal mit Brunos Konterfei im Regal, will keiner mehr die Lauge kaufen. Ein Horror für Bruno! Er will wieder sein wie die anderen Jungs. Zum Glück war alles nur ein Traum, die Mama weckt ihn.

Etwas wirr erscheint die Botschaft des Kinderbildbands „Bruno, der Junge mit den grünen Haaren“: Zuerst ist das Anderssein erstrebenswert, dann wünscht Bruno sich, Teil der Gemeinschaft zu sein – dazu ein Schluss, den jeder zweitklassige Autor benutzt, wenn ihm keine gute Auflösung einfällt: „Alles nur geträumt.“ Als etwas, nun ja, wirr gilt ja auch der Autor des Buchs: Schauspieler Ben Be­cker, der immer anders sein will als die anderen. Der Vater einer neunjährigen Tochter hat viele Abstürze erlebt. 2007 wäre er beinahe an einer Drogenüberdosis gestorben, er musste wiederbelebt werden.

Es gibt viele Prominente, die sich zum Kinderbuchautor berufen fühlen. Madonna etwa („Die englischen Rosen“, 2003, „Billie Bargeld“, 2005), die wie Becker eine eher zweifelhafte Vorbildfunktion ausübt. Ungewollt selbst­­ironisch ist Madonnas „Geschichte von Billie Bargeld, der sich alles kaufen kann, was es für Geld zu kaufen gibt – nur nicht das Glück“. Dabei ist Madonna die größte Einkäuferin von allen, nicht nur in Musik und Mode, sondern auch in Biologie. Die Sängerin hat den Erzeuger ihrer 13-jährigen Tochter gleich nach Zeugung gegen Geld wieder verabschiedet, mehr als ein Samenspender durfte der lateinamerikanische Tänzer nicht sein.

Ex-Tennisspieler Boris Becker hat sogar einen Erziehungsrat­geber geschrieben: „Was Kinder stark macht.“ Becker hat sich dazu was überlegt. Liebe und viel gemeinsame Zeit, schreibt er, sei wichtig. Das glaubt man ihm. Effektive Zeiteinteilung ist Beckers Spezialität sowie die Gabe vielfach verschossener Liebe: Vor dem Wimbledon-Match hat der Ehemann und Vater noch Zeit für einen Quickie mit einem AMW (Actress, Model, Whatsoever) – auf diesen Quickie samt unehelichem Kind folgte eine Affäre mit Sabrina, folgte Sandy, folgte Lilly. Becker reflektiert: „Wir Männer können selbst in hohem Alter Kinder zeugen, bei den Frauen wird es schwierig.“

Warum schreiben solche Promis Kinderbücher und Ratgeber? Das hat verschiedene Gründe. Ers­tens: Die verkaufen sich besser als die Kinderbücher Nicht-Prominenter. Viele junge, oft eher bildungsferne Eltern lassen sich heute nicht vom Buchhändler beraten, sondern von dem, was sie im Satellitenfernsehen sehen – und das sind Leute wie die Beckers, Ben und Boris. Zweitens: Das Ego dieser Prominenten ist groß. Sie glauben, ihre einzigartige biografische Entwicklung mitteilen zu müssen, eine Anleitung geben zu können, wie man so werden kann wie sie. Und um so zu werden wie sie, muss man von Kindesbeinen an was dafür tun. Weil es natürlich zu arrogant wirken würde, die eigene Lebensgeschichte als Kin­der­buch zu veröffentlichen, verstecken sie sich hinter fiktiven Fi­gu­ren. Wie der grüne Bruno alias Ben.

Paul PlatschnaseOder das Mädchen „Sommer­sprossenfeuerkopf“ in Julianne Moores gleichnamigem unerträglichen Kinderbuch: Darin erzählt die rothaarige, sommersprossige Schauspielerin die Geschichte von einem rothaarigen sommersprossigen Mädchen, das auf dem Schulhof wegen zu viel Rot verlacht, aber doch auch herzlich vermisst wird, wenn es mal nicht da ist. Moores Buch schildert nicht mehr als eine selbstreferenzielle Erfolgsgeschichte: Rote Haare haben mich zum Star gemacht. Und das von einer Aktrice, die immer wieder darauf verweist, wie unwichtig ihr das eigene Aussehen ist.

Und dann ist da noch Franzi. Unser Ex-Schwimmstar Franziska van Almsick hat mit „Paul Plantsch­nase am Meer: Mit ersten Schwimmübungen“ ein Übungsbuch für Schwimmanfänger vorgelegt. Das ist richtig gut: Der kleine Paul – und eben nicht die niedliche kleine Franzi – geht zunächst mit Schwimmflügeln ins Wasser, lernt Luftanhalten, Beinbewegungen am Brett und die Taucherbrille richtig aufzusetzen. „Bis du sicher schwimmen kannst, musst du noch viel üben“, sagt der Seestern zu Paul.

Viel üben, dann erst loslegen. Das täte auch dem einen oder anderen der Autoren gut.

Text: Sassan Niasseri

Ben Becker „Bruno, der Junge mit den grünen Haaren“, Rowohlt 2009, 48 Seiten, 9,95 ¤
Madonna „Die englischen Rosen“, Hanser 2003, 46 Seiten, „Billie Bargeld“, Hanser 2005, 44 Seiten, je 12,90 ¤
Boris Becker „Was Kinder stark macht“, Zabert Sandmann 2007, 200 Seiten, 19,95 ¤
Julianne Moore „Sommersprossenfeuerkopf“, Berlin Verlag 2009, 32 Seiten, 12,90 ¤
Franziska van Almsick „Paul Plantschnase am Meer: Mit ersten Schwimmübungen“, Herder 2009, 32 Seiten, 12,95 ¤
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