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„Feste druff“ von Erik Heier

Berlin verbreitet ja gern eine Art Quereinsteiger-Mentalität. Nüscht richtig drauf, aber erst mal auf die Kacke hauen

Erik Heier

Nur Halbwissen, aber Großklappe. Bloß nicht so’n Kopp machen. Wird schon werden. Quereinsteigern sagt man gern nach, sie brächten frischen Wind in eingefahrende Strukturen, weil sie Dinge anders machen als die, die sich damit auskennen. Die Bildungssenatorin veranstaltet gewissermaßen gerade ein regelrechtes Festival der Quereinsteiger, gut die Hälfte der 1.000 neuen Grundschulkräfte sind keine gelernten Lehrer. Angesichts des eklatanten Personalmangels an Berlins Schulen sind viele schon zufrieden, wenn die Neulehrer fehlerfrei Deutsch sprechen.

Auch der Politik sagt man ja gern nach, dass ihr ein paar Quereinsteiger gut tun würden, die noch nicht ihr ganzes Berufsleben in Gremien und auf Bierbänken mit der Parteibasis vertrödelt haben. Andererseits hat bei Politikern der Quereinstieg in den Flughafenbau nicht so richtig funktioniert. Da ist vielleicht, anders als bei Schulkindern, doch etwas mehr Ahnung von der Materie vonnöten. Berlins Hebammen-Mangel lässt sich vermutlich gleichfalls nicht lindern, indem man einige Sozialwissenschaftler mit Fotos von Babys und Nabelschnüren in die Geburtsstationen schickt. Auch Engelbert Lütke Daldrup ist bekanntlich kein gelernter Flughafenchef, sondern Stadtplaner.

Trotzdem hat er jetzt einen Plan verkündet, wie der Flughafen bis Ende August 2018 fertig gebaut wird. Vorher aber stellte er mal eben noch einen Plan zur Erweiterung des noch gar nicht fertigen BER vor. Ein Quereinsteiger-Move, wie wir ihn mögen. Immer feste druff.

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