• Kultur
  • "Radheld" von Erik Heier

Kultur

"Radheld" von Erik Heier

"Radheld" von Erik Heier

Manchmal gibt es Zufälle, die kannst du dir nicht ausdenken. Die passieren einfach. Letzte Woche half mir ein Fahrradfahrer in der Not. Mir, einem Autofahrer. Sein natürlicher Feind. Wir produzierten hier ja gerade die Titelgeschichte, die Berlin als Fahrradstadt der Zukunft thematisiert, Michael Metzgers Text können Sie übrigens ab Seite 10 lesen. Ich möchte jetzt keinesfalls alle Fahrradfahrer über einen Kamm scheren. Deshalb behaupte ich auch nicht, dass Radler generell die besseren Menschen sind. Oder auch nur gute. Dieser Fahrradfahrer aber war ein guter Mensch. Das muss ich kurz erklären. Ich fuhr durch eine viel befahrene Nebenstraße in Prenzlauer Berg. Plötzlich verreckte mein Wagen. Einfach so. Und das mitten auf einer Kreuzung. Zehn Schrecksekunden später donnerte eine Faust gegen meine Scheibe. Ein Autofahrer: "Was stehst du hier mitten auf der Kreuzung, Idiot?" Ich deutete auf den Warnblinker. Er, tobend: "Den hast du eben erst angemacht!" Ich: "Bin ja auch eben erst liegen geblieben." Nächster Autofahrer. Der bremste direkt neben mir. Zeigte mir den Mittelfinger. Vollidiot. Plötzlich stoppte gegenüber ein Radfahrer. Kam auf mich zu. "Soll ich dir helfen, den Wagen von der Kreuzung zu schieben?" Ich war baff. Eine Stunde später, mein Auto stand endlich in einer Werkstatt, kam eine Straßenbahn an mir vorbei. Ich winkte dem Fahrer zu. Rannte los. So, dass er mich im Rückspiegel sehen musste. Drei Meter, bevor ich die Tür erreichte, ging sie zu. Meine Bilanz des Tages: zwei Autofahrer doof, ein Straßenbahnfahrer doof, ein Radfahrer toll. Lass ich einfach mal so stehen.

Mehr über Cookies erfahren