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Rätsel aus der Renaissance: Mantegna und Bellini in der Gemäldegalerie

Sie arbeiteten gemeinsam in Venedig, doch viele ihrer Werke befinden sich schon lange in London und Berlin. Nun führt die Gemäldegalerie Andrea Mantegna und Giovanni Bellini nach 500 Jahren wieder zusammen

Giovanni Bellini Die Darbringung Christi im Tempel, ca. 1472 Holz, 80 x 105 cm © Fondazione Querini Stampalia, Venedig / cameraphoto arte snc

Zu empfindlich, zu gefährlich der Transport. Weil über 500 Jahre alte Gemälde kaum auf Reisen gehen, es aber für die neue Ausstellung in der Gemäldegalerie dennoch tun, ist „Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance“ für Altmeisterfans schon allein deshalb ein ein Muss. Und: weil Giovanni Bellini und Andrea Mantegna sich am Kulturforum erstmals direkt vergleichen lassen – der König der venezianischen Malerschule und sein Schwager, Antikenverehrer Mantegna.

Die gleichaltrigen Künstler inspirierten sich mehrere Jahre gegenseitig, bevor Mantegna 1459 als Hofmaler nach Mantua ging und Bellini Venedig treu blieb. In seinen Werken räumt der Venezianer Farbe, Licht und Landschaft viel Raum ein, während sein Kollege sich mehr für Humanismus und für die Antike begeisterte. Doch es ist die Darstellung menschlicher Emotionen, die an den Bildern heute noch fasziniert, und natürlich die hohe Kunst der Feinmalerei.

Insgesamt 94 solcher Meisterwerke, vorwiegend Altar- und Andachtsbilder, inklusive Zeichnungen, fährt die spektakuläre Schau auf. „Mantegna und Bellini, dieses Leitgestirn der italienischen Renaissance, ist in den Gemäldesammlungen Londons wie Berlins so stark wie nirgendwo außerhalb Italiens vertreten. Was liegt da näher als eine Ausstellungskooperation“, sagt Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen und Leiter der Gemäldegalerie.

Die Arbeiten auf Papier und Leinwand beziehungsweise Holz stammen hauptsächlich aus der National Gallery, London, dem British Museum sowie aus den reichen Berliner Beständen. Auch das Kupferstichkabinett steuert einige bei. Sie verdeutlichen Unterschiede und Parallelen im Schaffen beider Maler. An Bellini, dem Staatsmaler der Dogenstadt, lobten die Auftraggeber seiner Zeit die Naturwahrheit der Pflanzen, Hügel und Fels-Landschaften.

Da hoppeln die Häschen schon mal dezent durchs Bild, während Christus seiner Auferstehung entgegensieht. Mantegnas Werke wirken düsterer, dabei klassisch-zeitlos, etwa seine melancholische „Maria mit schlafendem Kind“, ein Lieblingsbild von Kurator Neville Rowley. Auf Leinwand gemalt, mutet die Mutter Gottes wie in Stein gemeißelt an. Sie erscheint traurig angesichts der bevorstehenden Passion Christi und seines grausamen Tods.

Giovanni Bellini Scipio lässt einem Gefangenen gegenüber Milde walten, nach 1506 Leinwand, 74,8 x 356,2 cm © Image courtesy of the Board of Trustees, National Gallery of Art, Washington, DC. Giovanni Bellini (Italian, c. 1430/1435 – 1516 ), An Episode from the Life of Publius Cornelius Scipio, after 1506, oil on canvas, Samuel H. Kress Collection

Studieren lassen sich auf diesem Treffen der Renaissancemeister vor allem die einschlägigen biblischen Szenen. Rowley hat den Ausstellungsparcours zusammen mit Dagmar Korbacher, Leiterin des Kupferstichkabinetts, bestückt. Er bietet spannende Motiv-Vergleiche in chronologischer und thematischer Abfolge. „Wir erzählen die Karrieren beider Künstler von Anfang bis Ende“, so der Berliner Kurator für die italienische Kunst vor 1500. Auch eine Hand voll Skulpturen aus Marmor oder Bronze hat er geholt. „Es gibt Quellen, die sagen, dass Mantegna auch Bildhauer war. Aber wir wissen nicht, welche Werke von ihm stammen.“ Ins Grübeln kommt man etwa vor der „Beweinung Christi“, einem Werk, das bislang grob im Umkreis des Künstlers verortet worden ist. Überhaupt geben beide Maler noch Rätsel auf. Nicht nur manche Datierung ihrer Werke ist ungewiss, es gibt auch „Streit über die Lebensdaten von Bellini“.

Diese Lücken sollen dem Publikum ebenfalls vermittelt werden. „Wir wissen nicht alles von diesen Künstlern.“ Daher hege man die Hoffnung, „dass diese Ausstellung für die Forscher auch eine Gelegenheit ist, über chronologische Zuordnungen neu nachzudenken“. Vielleicht können Unsicherheiten aus dem Weg geräumt werden, jetzt, wo die Bilder einmal nebeneinander hängen. Die Renaissance birgt auf jeden Fall noch manches Geheimnis, das es zu lüften gilt.

Gemäldegalerie am Kulturforum Matthäikirchplatz, Tiergarten, 1.3.–30.6., Di–Fr 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr, Sa/So 11–18 Uhr, 14/ erm. 7 €

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