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Reise­studien aus Mittel- und Südamerika im Kupferstichkabinett

RugendasDas Kupferstichkabinett hat endlich einen Schatz gehoben, der seit über 150 Jahren in der Sammlung versteckt war: die Südamerikabilder der drei Reisemaler Johann Moritz Rugendas, Ferdinand Bellermann und Eduard Hildebrandt. In den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts waren die drei auf unterschiedlichen Routen durch Brasilien, Mexiko, Venezuela, Chile, Peru und Uruguay unterwegs. Dass der preußische König Friedrich Wilhelm IV. viele ihrer aufregenden Landschaften erwarb und weitere später in das neu gegründete Kupferstichkabinett kamen, verdankten sie vor allem Alexander von Humboldt, der in ihrem Werk endlich Augenzeugenberichte für das entdeckte, was sich ihm selbst drei Jahrzehnte zuvor auf seiner großen Südamerika-Expedition erschlossen hatte. Vor allem Rugendas malte Landschaften, die in ihrem lockeren Duktus teils den Impressionismus vorwegnehmen, teils in den Stimmungen an die Poesie der Maler der Romantik erinnern. Ob eine nächtliche Rast am schneebedeckten Popocatepetl, eine Ba­saltschlucht in Mexiko oder eine Straße durch ein Hochtal: Es ist atemberaubend, welche Weite und Erhabenheit der Berge er in seinen kleinen Öl­skizzen einzufangen wusste. Rugendas ist heute ebenso wie Bellermann, der wunderschöne, detailreiche Bleistift­skizzen von Höhlen und der Vegetation des Urwalds angefertigt hat, in Südamerika wesentlich bekannter als in der deutschen Kunstgeschichte. Ihre Bilder werden dort nicht zuletzt als Dokumente einer Zeit geschätzt, in der sich die südamerikanischen Staaten ge­rade erst von portugiesischer und spanischer Herrschaft befreit hatten. Zwar wirken die Porträtstudien, die etwa Hildebrandt von afrobrasilianischen Kindern, Männern und Frauen malte, heute etwas folkloristisch; dennoch waren es die ersten Bilder, die nach dem individuellen Ausdruck in den Gesichtern der Sklaven suchten. Man verzeiht den drei Malern gerne, dass sie das Unbekannte oft durch die Brille des Alten filterten und Rugendas etwa ein indianisches Begräbnis ähnlich wie eine biblische Szene von Rembrandt anlegte: Schließlich waren ihre Bilder für einen europäischen Markt gedacht. Wie sehr sie sich dennoch auf die Erfahrung des Fremden einließen, belegt schon allein die Dauer ihrer Reisen: Rugendas verbrachte fast 20 Jahre dort.
    

Text: Katrin Bettina Müller

Foto: Rugendas: „Nächtliche Rast“ (c) by Volker-H. Schneider/ Kupferstichkabinett SMB

tip-Bewertung: Sehenswert


Kunst um Humboldt im Kupferstichkabinett, Kulturforum, Matthäikirchplatz 8, Tiergarten, Di-Fr 10-18 Uhr, Sa+So 11-18 Uhr, bis 11.4.

 

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