Kultur

Risiko von Erik Heier

Risiko von Erik Heier

Schriftsteller bauen keine Teilchenbeschleuniger. In aller Regel. Ausnahmen bestätigen diese Regel. Mir fällt nur gerade keine Ausnahme ein. Dass Schriftsteller keine Teilchenbeschleuniger bauen, liegt daran, dass sie meist davon keine Ahnung haben. Die Schriftstellerin Karen Duve hat nun einen 180-seitigen Wutbürger-Essay mit dem Titel „Warum die Sache schief geht“ verfasst (Premiere: Heimathafen Neukölln, 30.10., 20 Uhr). Sie muss dabei ein bisschen außer sich gewesen sein, die Ruhe in der Märkischen Schweiz ist ja auch nicht jedermanns Sache. Nach der Lektüre der 180 Seiten weiß ich zwar nicht viel mehr darüber, „wie Egoisten, Hohlköpfe und Psychopathen uns um die Zukunft bringen“, es sind übrigens tatsächlich nur Männer. Ich weiß aber, warum dieses Buch schiefgeht. Bevor Karen Duve von Dingen schreibt, von denen sie wirklich Ahnung hat (den skandalösen Zuständen in der Nahrungs­mittelindustrie), versucht sie anhand des CERN-Teilchen­beschleunigers in der Schweiz nachzuweisen, dass es „durch­aus eine Option“ sein könne, „eine vielversprechende Sache einfach mal zu lassen“. Denn sie traut der Risikobewertung der Physiker nicht über den Weg, weil die das „Bedürfnis nach Simplifizierung der Welt sozial akzeptiert“ ausleben könnten. Das führt dann geradewegs ins Schwarze Loch. Ich selbst traue ja der Simplifizierung der Welt in Karen Duves Buch nicht über den Weg. So einfach ist das.

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