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Rohkunstbau im Schloss Roskow

Rohkunstbau im Schloss Roskow

„Revolution“ lautet das Motto diesmal bei der Ausstellungsreihe Rohkunstbau – passend zum 25. Jubiläum des Mauerfalls. Nach der Selbstdestruktion der internationalen Finanzwelt während der Wirtschaftskrise und während schwelender Probleme in weiten Teilen der Welt könnte man denken, auf Agitation und Pathos zu treffen. Die zwölf eingeladenen Künstler gehen aber allesamt einen anderen Weg, fast so, als trauten sie Revolutionen als gemeinschaftlichem Akt der Veränderung der Verhältnisse nicht so richtig.
So präsentieren Smadar Dreyfus und Lennaart van Oldenborgh in der einzigen Kooperationsarbeit dieser Ausstellung eine Video­arbeit, die den Strand zwischen Jaffa und Tel Aviv zeigt: ausgelassen badende Kinder, Mütter mit Babys, Alltagsszenen aus dem Sommer. Mit dem Wissen um den – ja auch aktuellen – Hintergrund verkehrt sich die Szenerie in eine existenziell gefährdete, die so gut wie jederzeit von Normalität in den Ausnahmezustand umkippen kann. Bei Alicja Kwade läuft die ganze Uhr gegen den Uhrzeigersinn. Paradox? Ein Stein, wie gerade von einem Demonstranten geschmissen, klebt mittig auf einer Fensterscheibe, ganz so, als wäre eine Revolte auf der Straße in der Zeit eingefroren und hätte im entscheidenden Augenblick jede Kraft verloren. Aus Nasan Turs Arbeit wiederum spricht schon beinahe Verzweiflung über die scheinbare Unmöglichkeit grundlegender Veränderung: „Revollusion“ (Foto), so auch der Titel der Arbeit, sprayt er mit roter Farbe an eine graue Betonwand. Revolution und Illusion fallen in eins. Der Einzige, der die Ereignisse der letzten Jahre adressiert und ihren zumindest bei der Jugend revolutionären Furor, ist Erik Schmidt. Mit virtuos-pastosem Strich malt er figurative Tableaus von Motiven der Occupy-Demonstrationen in New York. Aber auch hier erscheint der Künstler mehr als Beobachter, wenn auch mehr als ein sympathisierender denn als involvierter Teilnehmer. Nach Stationen im Spreewald, im Schloss Marquardt bei Potsdam und an anderen pittoresken Orten hat die Ausstellungsreihe ihren Sitz seit letztem Jahr im Schloss des Dörfchens Roskow. Kein kurzer Abstecher, aber einer, den man wagen sollte.    
Text: Philipp Koch

Foto: Philipp Zitzlaff; Nasan Tur / Courtesy Nasan Tur & Blain Southern

tip-Bewertung: Sehenswert

Rohkunstbau im Schloss Roskow Dorfstraße 30, 14778 Roskow, ?Sa+So 12–18 Uhr, bis 21.9.

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